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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 164

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 164 (sequence 182)
Language
German
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IRI
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16-1 JAQUES OFFENBACH Flehens und man spürt in den Händchen Klagen und Weinen vor Leid und Schmerz; ein Gebet um Erbarmen, Rettung. Zwar spielte noch Herscheie mit seinen Kameraden wie früher, aber das war ein ganz anderes Spielen. Es änderte sich die Form, denn es wurde mit größter Behutsamkeit gemacht. Damit die alte Kapote nicht reiße oder gar der Hut herunterfalle und er, Gott behüte, mit entblößtem, Kopf dastehe. Seine Spielereien ähnelten dem Verhalten der Großen, der Erwachsenen, der Bärtigen. Mit einem Großen spazieren gehen und sich mit ihm unterhalten, ist eine große Ehre für einen kleinen Juden. Bist kein Kind mehr Herscheie, belehren ihn die Eltern. Zu Ende sind deine Kindertage. Es ist schon Zeit für deine Zukunft zu sorgen. Bemüh dich zu Tachlith zu gelangen. Auf, Wilder, geh arbeiten. Geh das Joch ziehen! Mit Kummer Brot essen und Leiden und schwere Plagen mit uns ertragen... Jacques Offenbach: Auf der Suche nach der Kindheit Wenn von Offenbach die Rede ist, denkt man zunächst an den Satyriker und Spötter Offenbach, den Komponisten des Orpheus, der Helena und der anderen großen Parodien. Erst nachher erinnert man sich an Hoffmanns Erzählungen und vielleicht wird dann ein leises Gefühl des Nichtverstehens auftauchen, ein Befremden darüber, daß ein Mensch so Verschiedenes schaffen konnte, daß solche anscheinend unvereinbare Tendenzen in ihm wirken konnten und wie es ihm doch gelang, beide Seiten seiner Seele künstlerisch zu meistern und fruchtbar zu machen. Welches ist nun der »echte« Offenbach? Der Spötter oder der Tragiker, der Höhnende oder der Sentimentale? Zweifellos'^ beide. Es ist nur die Frage, welche Tendenz die frühere, die primäre war und welche erst später hinzugekommen ist. Über diese Frage gibt uns eine kleine Geschichte Auskunft, eine der wenigen autobiographischen Mitteilungen Offenbachs, in der er etwas von sich selbst verrät. Er berichtet in einer kurzen Erzählung, die er »Historie d'une valse« betitelt, von der (schweren Zeit seiner Jugendjahre. Als Vierzehnjähriger wird er von seinem Vater in Pari» einquartiert, um am dortigen Konservatorium zu studieren.

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