Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 166)
- Language
- German
- Belongs to
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150 MAX BROD bernack aufgelegt, — ein Kind, das viel las und nicht turnen wollte, — letzteres steht in Gegensatz zu Kafkas späterem starken Interesse für Sport und Körperübungen. Ein Kinderbild zeigt einen etwa fünfjährigen schlanken Jungen mit großen fragenden Augen und einem düster verschlossenen, eigensinnigen Mund. Die bis fast zu den Augenbrauen hinabgekämmten schwarzen Haare verstärken den Eindruck der beinahe drohenden Verdrießlichkeit, zu der wobl der schlaffe Griff der niederhängenden Hände, nicht aber das sorgsam gewählte Matrosenkostüm mit großem Hut und Spazierstöckchens paßt. Mit den Schwestern hat Franz wenig gespielt, der Altersunterschied war zu groß und scheint gelegentlich eher zu kleinen Feindseligkeiten unter den Kindern Anlaß gegeben zu haben. Nur zu den Geburtstagen der Eltern dichtete der kleine Franz für die Schwestern Theaterszenen. Sie wurden im häuslichen Kreis aufgeführt, der Brauch erhielt sich bis in reifere Jahre, an manches der Stücke und an manchen Vers erinnern sich die Schwestern noch heute. Eines der Stücke hieß »Der Gaukler«, eines »Georg von Podiebrad«, eines »Photographien reden« (hiebei handelte es sich um die auf dem Trumeau stehenden Fämilienphotos). Franz spielte nie mit, war nur als Autor und Regisseur tätig. Später schlug er den Schwestern an Stelle seiner Szenen kleine Dramen von Hans Sachs vor, die er inszenierte. Den eigentlichen Umgang des jungen Franz muß man wohl unter den Mitschülern suchen. Die kleine Klasse enthielt einige Köpfe, deren Bedeutsamkeit später hervortreten sollte. Da war, außer Kafka: Hugo Bergmann, der in den Folgejahren als Philosoph von Rang bekannt wurde, gegenwärtig ist er Professor (und Rektor) der Hebräischen Universität in Jerusalem. In den Gymnasiastenjahren scheinen die beiden, Kafka und Bergmann, trotz näheren Umgangs einander nicht nach Gebühr erkannt zu haben. Dasselbe gilt für Emil Utitz, nachmals Philosophieprofessor in Halle und Prag, und für Paul Kisch, Literaturhistoriker und Redakteur der »Neuen Freien Presse«. Nur mit Oskar Pollak kam eine engere Verbindung zustande (vgl. Briefe, Band VI, Gesamtausgabe). Gegenüber allen Jugendeindrücken ist das große, in seiner Großartigkeit freilich von Franzens Ingenium gewiß übersteigerte Bild des Vaters von überragender Bedeutung. Hierüber gibt es ein Schriftstück aus Kafkas letzter Zeit. Im November 1919 schrieb er einen sehr ausführ-