Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 147)
- Language
- German
- Belongs to
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SIGMUND FREUD ENTDECKT DAS KIND 135 Freud führt hiefür eigene Träume an und ist dadurch gezwungen, biographisches Material aus seinem Leben beizutragen. »Es handelt sich hier um eine Reibe von Träumen, denen die Sehnsucht, nach |Rom zu kommen, zu Grunde liegt... So träume ich denn einmal, daß ich vom Coupefenster aus Tiber und Engelsbrücke sähe; dann setzte sich der Zug in Bewegung, und es fällt mir ein, daß ich die Stadt ja gar nicht betreten habe ... Ein andermal führt mich jemand auf einen Hügel und zeigt mir Rom, vom Nebel halb verschleiert und noch so fern, daß ich midi über die Deutlichkeit der Aussicht wundere. Der Inhalt des Traumes ist reicher/ als ich hier ausführen möchte. Das Motiv, »das gelobte Land von fern sehen« ist darin leicht zu erkennen... In einem dritten Traume bin ich endlich in Rom, wie mir der Traum sagt. Ich sehe aber zu meiner Enttäuschung eine keineswegs städtische Szenerie, einen kleinen Fluß mit dunklem Wasser, auf der einen Seite desselben schwarze Felsen, auf der anderen Wiesen mit großen, weißen Blumen ... Es ist offenbar, daß ich mich vergebens bemühe, eine Stadt im Traume zu sehen, die ich im Wachen nicht gesehen habe. . . Ein vierter Traum, kurz nach dem letzterwähnten, bringt mich wieder nach Rom . . . Ich war auf den Spuren Hannibals gewandelt. Es war mir so wenig wie ihm beschieden, Rom zu sehen und auch er war nach Kampanien gezogen, nachdem alle Welt ihn in Rom erwartet hatte. Hannibal, mit dem ich diese Ähnlichkeit erreicht hatte, war aber der Lieblingsheld meiner Gymnasialjahre gewesen . .. Der Wunsch, nach Rom zu kommen, ist für das Traumleben zum Deckmantel und Symbol für mehrere andere heißersehnte Wünsche geworden, an deren Verwirklichung ich mit der Ausdauer und Ausschließlichkeit des Puniers arbeiten möchte und deren Erfüllung zeitweilig vom Schicksal ebensowenig begünstigt scheint wie der Lebenswunsch Hannibals in Rom einzuziehen. Und nun stoße ich erst auf das Jugenderlebnis, das in all diesen Empfindungen und Träumen noch heute seine Macht äußert. Ich mochte zehn oder zwölf Jahre gewesen sein, als mein Vater begann, mich auf seine Spaziergänge mitzunehmen und mir in Gesprächen seine Ansichten über die Dinge dieser Welt zu eröffnen. So erzählte er mir einmal, um mir zu zeigen, in wie viel bessere Zeiten ich gekommen sei als er: Als ich ein junger Mensch war, bin ich in Deinen Geburtsorte*) am Samstag in der Straße spa- *) Pffbor in Mähren.