Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 143)
- Language
- German
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DAS JÜDISCHE KIND IM DRITTEN REICH 131 Jetzt wird das Aufatmen des Dr. Walther .Scharrer verständlich und man begreift, daß der deutsche Junce von 1936 bereits »großartig« für die nationalsozialistische antisemitische Hetze präpariert und empfänglich erscheint. Wie sieht es jetzt in der Seele dieser neuen deutschen Generation aus? Wir lernen dies aus Briefen kennen, die der »Stürmer«, jenes wüst-pornographische Hetzblatt, das man also bedenkenlos Kindern in die Hand drückt, fortlaufend veröffentlicht. Da heißt es: »Ich habe im Stürmer schon sehr viel von der Frechheit der Juden gelesen .. . Hoffentlich bekommen die Juden noch einmal vergolten, was sie ihrem Werke nach verdient haben. Ich bete jeden Tag: »Erlöse uns von dem Übel!« Heinrich Helferich in Rohrbach, 15 Jahre alt (»Der Stürmer, Nr. 22, 1935). In Nr. 47/1935 stellt die Redaktion des »Stürmer« die folgende Bemerkung einem Kindergedichte voran: »Soll es eine gute Zukunft geben, dann muß die Jugend schon frühzeitig den Juden in seinem Tun und Treiben kennenlernen. Daß die Aufklärungsarbeit unserer Tage, die Jugend schon tief erfaßt hat, erfahren wir aus einem Aufsatz, den der 13jährige Junge eines Offiziers seinem Gymnasiallehrer zur Beurteilung übergab. Der Aufsatz lautet: »Lieber Stürmer! Vielleicht kannst Du dies Gedicht brauchen, das ich heute in der Geschichtsstunde verfaßt habe: Der Jud Der Jude ist ein übles G'schlecht, Er kämpfte gegen Deutschlands Recht ... Da erstand dem Volk ein Held, Dieser erkannt den Feind der Welt, Es war der Gauleiter der Franken. Wir müssen ihm herzlich danken. Er verfolgte den feigen Jud Mit seinem fremden Teufelsblut, Er warf ihn hinaus aus Deutschlands Gauen, Weil er geschändet deutsche Frauen.« Der Gauleiter der Franken ist Julius Streicher. Die gesetzliche Fundierung der antisemitischen Praxis an den deutschen Schulen hinkte dieser einigermaßen nach. In den Jahren 1933—1937 wird eine Reihe Verordnungen erlassen, die das Problem der Behandlung jüdischer Schulkinder zu regeln versuchen. Gleichen Schritt halten Praxis und Rechtsunterlage jedoch erst seit dem Erlaß des Reichserziehiiiigsministers vom 2. Juli 1937, der »eine Zusammenfassung der Richtlinien über die Rechtsstellung der Juden im deutschen Schulwesen« geben soll. Ihm zufolge