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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 132

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 132 (sequence 144)
Language
German
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132 HANS MARTIN können jüdische Kinder an deutschen Schulen nur in der Höchstzahl von 1.5 Prozent der gesamten Neuaufnahmen zugelassen werden. Also numerus clausus hereits für die Volksschulen! »Jüdische Schüler nehmen lediglich an dem lehrplanmäßigen Unterricht teil. Von der Teilnahme an den Gemeinschaftsveranstaltungen außerhalb des schulplanmäßigen Unterrichtes sind sie ausgeschlossen. .. Zur Ausbildung für den Beruf eines deutschen Jugenderziehers soll grundsätzlich nur zugelassen werden, wer für sich und, falls er verheiratet ist, für seine Ehefrau den nach den beamtenrechtlichen Vorschriften erforderlichen Nachweis über die Reinheit des Blutes erbringen kann.« Die jüdische Jugend Deutschlands ist nun also zur Gänze in die Grenzen des jüdischen Gemeinschaftslebens in Deutschland eingezwängt, einer Gemeinschaft, die unter unnatürlichen Lebensbedingungen vegetiert und zum Aussterben verurteilt ist. Die jüdischen Schulen, die jüdischen Jugendbünde und Sportverbände sind unzähligen, oft lähmenden Beschränkungen unterworfen. Hier sind nicht die Vorbedingungen eines gesunden, eigenen jüdischen Gemeinschaftslebens gegeben, das von national-jüdischer Seite selbst angestrebt wird: eine selbst - verantwortungsbewußte jüdische Gemeinschaft, die sich um die Erhaltung und gesunde Fortentwicklung ihres Erbes kümmert, aber im engen und freundschaftlichen Wettbewerb mit allen anderen nationalen Gemeinschaften zum gemeinsamen Wohl ihres Landes, die auf sie entfallenden Leistungen erfüllt. Eine Gemeinschaft, um die Drahtverhaue des Hasses gezogen sind und der man systematisch den Lebensraum einengt, so weit, daß ihr schließlich eines Tages überhaupt das Atmen unmöglich sein wird, ist zum Untergange verurteilt. Die Jugend einer solchen Gemeinschaft, der auf Schritt und Tritt von der Außenwelt ihre eigene Karrikatur entgegengehalten wird und der man keinerlei Zukunftschancen beläßt, kann nicht mit den sonst üblichen Maßstäben gemessen werden. Sie zu retten und in ein menschlich ertragbares Milieu zu überführen, ist eine der großen historischen Aufgaben, die der jüdischen Generation unserer Tage gestellt sind. Der zionistische Führer Chaim Arlosoroff erhob dieses Postulat bald nach dem Machtantritte Hitleis. Er entwarf den Plan einer großzügigen Überführung der deutsch-jüdischen Jugend nach Palästina. Chaim Arlosoroff ist tot, aber sein Plan wurde, wenn auch nur teilweise, verwirklicht: Viele hunderte jüdische Jugendliche aus Deutschland wur-

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