Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 130)
- Language
- German
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120 HEINZ STROH Wie palästinensische Kinder denken und reden Ein fünfjähriger Junge weckt seine Mutter mit den Worten: »Steh auf, Mutter, die Sonne ist schon angezündet«. Ein vierjähriges Mädchen geht an einem heißen Tage zur Kindergärtnerin, die es apostrophiert: »Geh, kühl mir die Sonne ab«. SM Der neunjährige Gideon schrieb folgenden Aufsatz, der die typische Naturverbundenheit und den Gefühlsreichtiim der im Lande geborenen palästinischen Jugend deutlich zeigt. »In diesem Winter gab es bei uns ein Ereignis. Plötzlich war es einer Sonnenblume eingefallen, zu wachsen. Und sie wuchs. Und jetzt ist sie unglücklich, und es ist ilir zu kalt. Wenn sie sich bewegt, scheint es mir, daß sie flüstert: besser der Tod, als ein Leben im Winter. Ich versuchte, sie auszugraben, und konnte es nicht. Es schien mir, daß sie wiederum flüsterte: es ist besser, zu sterben. Ich versuchte es von neuem, sie auszugraben, und konnte es wiederum nicht . . . Und sie ist so einsam und traurig. Wenn ihr sie sehen werdet, würdet ihr Mitleid mit ihr haben. Jetzt ist sie müde, sie ist noch nicht gestorben und leidet sehr. Ich glaube, daß ich diese Sonnenblume niemals in meinem Leben vergessen werde.«