Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 123)
- Language
- German
- Belongs to
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DAN IN DER FREMDE 113 Einmal — das einzige Mal während unseres gemeinsamen Aufenthaltes in der großen Stadt mußte ich Dan alleine lassen, mußte einen offiziellen Besuch machen, wo Dan unter keiner Bedingung mitgenommen werden konnte. Wo, mit wem nur konnte ich den kleinen Mann lassen? Verstand doch keiner seine Sprache ... konnte doch keiner zu ihm reden und von ihm verstanden werden . . . Und nach vielem Hin- und Herdenken arheitete ich einen ganzen Plan aus. Ich kaufte einige Spielsachen, nach denen Dans Herz verlangte und ühcrgah sie meiner Mutter. Dann hat ich sie, Dan immer eine davon zu geben. Einige Zeit wird sich gewiß Dan damit beschäftigen und wenn er es dann satt haben wird und ihn die Langeweile plagen sollte, wird ihm die Mutter das zweite Spielzeug verabreichen und so werden wir ihm die Zeit vertreiben, bis ich wieder zurück sein werde. Die gute Mutter übernahm ein wenig schmunzelnd (und ich verstand dies Schmunzeln nicht, als wollte sie sagen: sei unbesorgt, ich werde schon mit ihm fertig werden) den Kriegsplan gegen Dan, und ich ging ziemlieh besorgt aus dem Hause ... Als ich nach drei Stunden, die einzigen drei Stunden, während denen ich Dan in dieser Stadt alleine ließ, mehr nach Hause flog als ging, die Wohnungstür aufschloß, erwartete ich, daß sich mir Dan entgegenstürzen werde, mich umarmend und mir vorwerfend, warum ich so lange ausblieb . . . Ich ging im Vorzimmer hin und her und — nichts geschah. Keine Zimmertür wurde stürmisch aufgerissen und kein Dan stürzte mir entgegen. Ich machte die Küchentür auf, weil ich wußte, daß meine Mutter um diese Stunde in der Küche beschäftigt war. Und da bot sich mir ein unvergeßliches Bild dar, das nie aus meinem Erinnern verwischt werden kann. In diesem Augenblick beugte ich tief die Stirne vor dem wunderbaren pädagogischen Instinkte meiner Mutter, einem Instinkt, der weder durch Studium, noch durch akademische Bildung einem gegeben werden kann, der eine große Gabe Gottes ist. Ich wußte dies schon längst, aber in diesem Augenblicke kam es mir so recht zum Bewußtsein, wie sehr meine Mutter die kindliche Seele verstanden hat und noch versieht . . . Und dieses war das Bild: Die Mutter steht in einer blauen Kattunscliürze vor dem Tisch. Auf dem Tisch das große, weiße Brett, auf welchem »geknetet« wird. Die Mutter hat die Blusenärmel aufgekrempelt. Auf dem Brett sind