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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 111

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 111 (sequence 119)
Language
German
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DAN IN DER FREMDE 111 so wie zu Hanse, barfuß gehen!« Da kommt ein guter Engel vor und hilft. Unser Briefträger. Der gute Mann mit dem blauen Sehulbubenaugen tritt an Dan herab und reicht ihm einen Brief mit der palästinensischen Marke. Dan blickt den einzigen Bekannten in diesem ihn umgebenden, feindlichen Kreise an und nimmt ihm den Brief von Vater aus der Hand. Er steht auf, die Zuschauer zerstreuten sich und nun läßt sich auch Dan in Ruhe erklären, warum er hier nicht barfuß gehen kann und zu Hause ja. Und als ich ihm das alles erklärt habe, sagt er: »Ja, zu Hause ist eine gute Erde, nicht wahr, Mutti!« ' *fr Und noch eine kurze Episode mit einem Wagen und einem Pferde. Dinge, die in Dan die ganze Sehnsucht nach Feld und Heimatboden wachriefen. Wieder treten wir das heiße Sommerpflaster der großen, Dan so fremden Stadt. Wie ein unbekannter, gewaltiger Strom, vor dem Dan eine ungeheuere Angst hat, wälzen sich um diese Stunde —- es ist fünf Uhr nachmittags — die Wellen des menschlichen Stromes durch die schwülen Straßen. Einer eilt an dem anderen vorbei, stößt den Nächsten in der Hast, die das Hauptmerkmal einer jeden großen Stadt ist. Und Dan fürchtet sich sehr, in diesem gewaltigen Strome unterzugehen. Ist es ihm doch bereits zweimal geschehen, daß er mitgerissen wurde von den Eilenden und Hastenden und plötjlich sich allein, ohne Mutter, der einzigen menschlichen Seele, die in dieser Stadt seine Sprache verstand und die er selber verstand, unter den vielen Fremden befand, schreiend und weinend lief, ohne zu wissen wohin. Und die ihn anredeten verstand er nicht und hatte eine heillose Angst vor ihnen. Wieder war es diesmal der Briefträger, mit den guten, fröhlichen Augen, der ihn aus dieser fremden, ihn umbrandenden Menge herausgriff und ihn an die richtige Adresse weiterleitete. Seit jenen zwei Fällen hält Dan krampfhaft die Hand seiner Mutter fest, wenn sie durch die belebten Straßen gehen. Nun und an diesem Vorabend war Dan ganz weiß angezogen, entsprechend dem heißen Wetter. In einer der schmalen Straßen Prags begegnete Mutter einem Bekannten. Dan mochte das viele Begrüßen nicht, besonders wenn Mutter in einer Sprache sprach, die er nicht verstand. Und Mutter war diesmal so ins Gespräch vertieft, daß sie nicht einmal bemerkte, daß sie mit Dan und ihrem Bekannten neben einem großen, schweren Pinzgauer Pferde zu stehen kam. Nun und daß das Pinzgauer

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