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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 110

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 110 (sequence 118)
Language
German
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110 IRMA SINGER (DAGANIAH) sind, hatte er es bald satt und begann mit großem Verlangen nach einem kleinen Wägelchen zu gucken, das ein inzwischen herbeigekomener Junge mit Sand belud. Immer verlangender wurden seine Augen. Als sich der fremde Knabe entfernte, um einige Steinchen herbeizuholen, griff Dan nach der Leine des Wagens und fuhr auf dem Spielplan. Ich wußte, daß hier die Kinder und besonders hier auf dem Spielplatz nicht daran gewöhnt sind, an fremde Kinder ihr Spielzeug abzutreten, und trachtete dies Dan verständlich zu machen. Seine Antwort war ein ständiges »Warum nicht auch ich?« »Warum soll nicht auch ich mit diesem Wagen spielen können, so wie zu Hause___« Und das Ende war, daß wir bald nach Hause gehen mußten, denn der Wagen hatte es Dan zu sehr angetan. Ein heißer Julitag. Das Straßenpflaster glüht, und die Häusermauern strahlen die große Hitje wider. Die Menschen gehen langsam und träg, die Männer mit aufgeknöpften Hemden und die Frauen tragen ihre Hüte in der Hand. Wir schlendern durch die Straßen und gehen in die Schwimmschule. Dan schwelgt von Erinnerungen: »Jetjt baden die Kinder im Kinerethsee. Ob wohl Nira schon schwimmen kann? und ob die Kleinsten schon auch in den See mitgenommen werden? Und wie tief das Wasser schon seit dem Winter gesunken ist. Ja« — erinnert sich plötjlich Dan — »und die Kinder gehen alle barfuß zu Hause!« Dann wendet er sein braunes Gesichtel zu mir, irgendein Trotj flammti in seinen Augen auf, als wollte er sagen: »ich hab's satt hier« und er sagt fest: »Mutter, ich will mir jetjt auch die Schuh ausziehen!« Das gibt mir einen Ruck. Wir sind doch mitten auf einer der belebtesten Straßen. Das schmutzige Straßenpflaster, die heißen Straßenbahnschienen: »Dan, das ist hier unmöglich!« Aber Dan will diesmal nicht hören. Er bleibt beil seinem Entschluß: »Mutter, ich will barfuß gehen!« Und als ich das nicht erlauben will, setjt sich der kleine Mann mitten auf den Gehsteig nieder und beginnt vor Wut mit den Füßen zu trampeln und schreit ununterbrochen: »Ich will, so wie zu Hause, barfuß gehen.« Die Lage wird kritisch. Die Vorübergehenden hören ein Kind in einer ihnen unbekannten Sprache schreien. Einige bleiben stehen, und wieder einige reden auf mich ein und geben mir gute Ratschläge. Mir tritt der Angstschweiß auf die Stirne. Und Dan sitjt auf dem Straßenpflaster und schreit: »Ich will,

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