Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 116)
- Language
- German
- Belongs to
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108 IRMA SINGER (DAGANIAH) Spielsachen — und Dan weiß schon ganz genau, daß die Spielsachen verkauft werden und daß er sich sie nur wünschen, aber ja nicht nehmen kann. Die beweglichen Reklamen in den Fenstern locken ihn immer wieder an, und manchmal muß ich stundenlang vor einem pendelden Papiergesicht, das seine Zähne fletscht, stehen und Dan kann nicht genug bekommen ... Aber wenn ein Hund vorbeiläuft, dann geht es durch Dans Körper wie ein elektrischer Strom, und wenn manchmal in dem vertechnisierten Getriebe der Straßen ein vereinsamtes Pferd auftaucht, hat Dan eine religiöse Vision . . . Und an diesem Nachmittag trafen wir ein Pferdchen. Es zog an einem kleinen Möbelwagen, also kein so besonders fröhliches Pferdchen. Ausgemergelt, dürr, und ich glaube nicht sehr satt und freiheitsfroh... Dan blieb stehen, schaute es von allen Seiten an, betrachtete sein glänzendes Geschirr und wäre am liebsten auf den Wagen geklettert. .. Ein Mann trat aus dem Hausflur, stieg auf den Bock, spannte die Zügel und langsam entfernte sich das Pferdchen. Schon glaubte ich, Dan habe es vergessen, da hörte man in dem Lärm der elektrischen Straßenbahnen und dem Autotuten ein helles Wiehern. Dan blieb stehen, hob seinen Finger und sagte mit sehr gehobener Stimme: »Mutter, da ist bestimmt eine Stute in der Nähe!« Ich suchte nicht nach der Stute, ich weiß aber genau, daß Dan recht hatte, und ich drückte in großer Begeisterung die kleine Hand meines Naturkindes .. . Wer von den vorbeihastenden Städtern wird das Wiehern-Grüßen, das Pferd und Stute wechseln, wohl bemerkt haben ... Ja mein Junge, wir kehren heim, heim zur Natur. .. $ Trotj allem vergingen uns dort drüben die Tage sehr schnell. Dan sehnte sich sehr nach seiner heißen Heimat und, um ihm die Zeit angenehmer zu vertreiben, entschloß ich mich, mit ihm einen Kinderspielplatz aufzusuchen. Ich erzählte ihm vorher von dem großen Garten, in welchem sich Kinder aus der ganzen großen Stadt treffen, um zusammen die Zeit zu verbringen, erzählte ihm von den vielen Blumen die auf den Hängen wachsen und kaufte ihm einen Blecheimer und eine Schaufel. So ausgerüstet gingen wir nun auf den Spielplan. Um zu dem Spielplan zu gelangen, muß man vorerst durch einen großen Garten gehen, der sich auf einem Hügelabhang