Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 113)
- Language
- German
- Belongs to
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DAN IN DER FREMDE 105 Anstatt eines freundlichen Lächelns, das er für diese Tat zu Hause empfangen hätte, sah er, wie sich seine Mutter zuerst ängstlich umblickte, dann ihm schnell die Orangen aus der Hand nahm und sie behutsam wieder auf den aufgestapelten Haufen legte, von welchem sie Dan genommen hatte. Die großen schwarzen Augen wurden noch größer vor Erstaunen und begannen sich langsam zu trüben. Dan hat heißes Blut und er kann hier mitten in der Straße langsam aber sicher zu schreien beginnen. Das wußte ich. »Ich kaufe dir eine Orange«,' sagte ich zu ihm sofort, um das Trübe aus den Augen Dans zu verscheuchen. »Hier muß man alles kaufen.« Und Dans Antwort war so logisch, wie nur ein viereinhalbjähriger Bub logisch antworten kann: »Er hat hier so viele, warum muß er sie alle für sich behalten und kann uns keine geben...« Fast dieselbe Szene wiederholte sich dann vor einem Spielwarengeschäft, wo Dan sich von den hölzernen Pferdchen nicht zu trennen vermochte und in seinem Herzen ein gerechter Zorn gegen die Leute der Stadt zu gären begann, die so viele Sachen haben und »alles für sich behalten wollen. .. Bei uns im Kindergarten gehört allen, was einem gehört...« ...Ja, diese Leute der Stadt... Als wir dann zu Schiffe waren und ringsherum soviel Blau uns umgab, Blau von oben und Blau von unten, da ging es Dan sehr gut. Es waren nicht besonders viele Kinder an Bord und fast alle sprachen Hebräisch, spielten, mit Dan und auch die großen Leute spielten mit Dan .. . Und alle sprachen sie mit ihm in seiner Sprache und des Abends tanzten sie, und er durfte manchmal auch dabei sein .. . Aber eines war in seinen Augen nicht richtig... Wir fuhren auf einem französischen Dampfer, und die Bedienung beim Essen lag in Händen einiger Neger, der Küchenchef aber war ein Weißer, ein sehr runder, sehr freundlicher Herr, mit gehörigern Doppelkinn und kleinen Schweinsaugen. Er lachte alle gleich freundlich, vielmehr gleich gekünstelt an und ging oft von Tisch zu Tisch, um die Passagiere xa besuchen, und sie zu fragen, ob alles in Ordnung wäre ... Er blieb immer bei Dan stehen und streichelte Dans Haare, wobei Dan immer ungeduldig die Stirne kraus zog und mit seiner Schulter zuckte . .. Hier schon