Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 112)
- Language
- German
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104 IRMA SINGER (DAGANIAH) versündigt, als damals, als ich ihn herausriß aus dem gleichmäßigen Fließen seiner Tage und ihn mitnahm nach Europa. Er, der gewohnt war, hloßen Fußes iiher den festen Heimatboden zu laufen, fühlte mit einem Male, daß der Grund unter seinen Füßen locker wurde und zu zerbröckeln begann. Für Dan begann die Fremde bereits, als die grünen Wipfel unserer Allee in den Hintergrund rückten und er auf dem kleinen Wagen sitjcnd der Bahnstation entgegenfuhr. Aber das war eine Fremde, die ihn erstaunen machte, ein Neues, das ihn interessierte und sich nicht feindselig ihm entgegenstellte. Die Eisenbahn, die Lokomotive, die Menge schwarzgekleideter Araberinnen, die in den Nasenlöchern Orangenschalen hatten, um sich gegen den Schnupfen zu schütjen, verseßten ihn in helles Staunen, aber sie ersehreckten ihn nicht. .. Doch als er in Tel Awiw an einem Fruchtladen vorbeiging, begegnete er zum ersten Mal einer anderen Weltordnung, als jener, in welcher er aufgewachsen, in welche er ja geboren wurde ... Es war ein heißer Maitag, und Dan gelüstete es sehr nach saftigen Früchten. Die mochte er immer am liebsten, sei es, weil sie im Jordantale — als Dan noch klein war, denn jegt ist es bereits anders damit bestellt — eine Seltenheit waren, oder weil Dan für sein Leben gerne Süßigkeiten und Früchte hatte... Nun und da mitten auf der Straße ist ein »Machsan«, ein Magazin (so wie zu Hause), so dachte Dan und vor diesem Machsan hat man eben die Früchte aufgestapelt, um sie gewiß sobald als möglich in die Kisten zu packen und sie so, wie es Dan bereits oft erzählt wurde, jenseits des Meeres zu schicken. Dieser Gedanke durchfuhr mit Blitzesschnelle Dans Gehirn und nachdem bei ihm, so wie bei den meisten Kindern in seinein Alter, vom Denken zum Handeln noch weniger als ein Schritt ist, machte eben Dan diesen Schritt. Er ließ für einen Augenblick die Hand der Mutter los, ging näher an den Berg von Orangen und griff mit beiden Händen — in je einer Hand eine Orange ■—die Früchte heraus und lief zur Mutter zurück. Und er rief dazu: »Ich habe mir da eine genommen und eine für dich.« Und er reichte der Mutter die zweite Orange. Und nun kam die erste Enttäuschung, dies erste: »So ist es nicht und das äarf man nicht!«, das er dann auf Schritt und Tritt zu hören bekam.