Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 111)
- Language
- German
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HEILPÄDAGOGISCHE ARBEIT IN HAIFA 103 Labilität stellt die Erziehungsberatung vor ein besonders schwieriges Problem. Der orientalische Mensch ist leicht ansprechbar, aber nicht ausdauernd, wenn es sich um konsequente Erziehungsarbeit handelt. Er ist auf rasche Wirkung aus und enttäuscht, wenn kein Wunder geschieht. Er neigt dazu, von einem zum anderen Arzt zu gehen. Dazu kommen die durch Krise und Arbeitslosigkeit gesteigerten Anpassungsschwierigkeiten. — Je mehr Fälle dieser Art unsere Erziehungsberatungsstellen bearbeiten, umso schwieriger wird es, Rat zu schaffen. Wir versuchen mit allen Mitteln dem Mangel an Hilfe und Behandlungsmögliehkeiten entgegenzuwirken und die Öffentlichkeit, vor allem auch die verantwortliehen Stellen zu mobilisieren. Die Auffassung, daß in einem Lande des Aufbaues nur der körperlich und seelisch Gesunde ein Anrecht auf Förderung habe, ist begreiflich und troßdem kurzsichtig. Unser Ziel muß vielmehr sein, so früh wie möglich, bereits im Kleinkimlcsalter, Neurosenprophylaxe zu betreiben, d. h. die seelische Störung garnicht erst zur Entwicklung kommen zu lassen. Erst wenn in weiteren Kreisen die Tragweite der Neurose und ihrer friihkindlichen Erscheinungen in Gestalt der nervösen Kinderfehler für die nationale Existenz unseres Volkes erkannt und begriffen wird, erst wenn das Problem der Entneurotisierung der jüdischen Rasse als ein zentrales Problem bewertet wird, werden wir auch die an und für sich vorhandenen materiellen Quellen erschließen können. An dieser Aufgabe sollten alle jüdischen Volksteile — auch die nichtpalästinensischen —- mitarbeiten. Irma Singer (Daganiah): Dan in der Fremde Wir vergeben uns sehr oft an unseren Kindern. Wir Ellern und wir Erzieher. Manchmal verurteilen wir ihr Handeln, ohne den Grund zu verstehen, manchmal gehen wir an Erlebnissen ihrer Seele achtlos vorbei und sind erstaunt über ihr Anderswerden. Oft und oft vergehen wir uns an ihnen. Aber jetjt, in einer Distanz von etwa sechs Jahren will es mir dünken, als hätte ich mich nie so an meinem Sohne