Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 110)
- Language
- German
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102 Dr. MED. H. FREUND hebungen. Aus einer Schulkinderstatistik, die im Jahre 1935 von der Erziehungsabteilung der Kehilla durchgeführt worden ist, läßt sich entnehmen, daß in Haifa mindestens ein Viertel der Kinder sozialen Bedingungen ausgesetzt ist, die ihre Entwicklung im Sinne der Schwererziehbarkeit und Verwahrlosung gefährden müssen. Statistische Stichproben, die unsere Gesellschaft Anfang 1936 in Schulen und Kindergärten veranlaßte, ergaben, daß über 13 Prozent der Kinder von pädagogischer Seite als »schwierig« bezeichnet wurden. In inniger Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Schulen haben wir die Erziehungsberatung organisiert und in dem Zeitraum von eineinhalb Jahren in rund 250 Fällen Rat erteilt. In den Schulen und vielen Organisationen wurden aufklärende Vorträge veranstaltet; eine heilpädagogische Arbeitsgemeinschaft der Lehrer beschäftigt sich mit heilpädagogischen Fragen. Die Gesellschaft hat 4 Merkblätter herausgegeben: »Über das Wesen der Erziehungsberatung« — »Was tun, wenn das Kind schlecht ißt?« — »Richtlinien für die Lehrer« — »An die Freunde unserer Gesellschaft.« Alle Vierteljahre erscheinen die »Blätter für Erziehungs- und Berufsberatung«. Zur Vorbereitung der Berufsberatung wird von der Gesellschaft vor Schulende ein Berufsberatungsfragebogen an die Schulen versandt. Im nächsten Schuljahr werden einige Schulen mit der Einführung der Schülercharakterologie an Hand einer von der Gesellschaft entworfenen Schülerkartei beginnen. Unsere Arbeit ist in eine paradoxe Entwicklung geraten. Von den 250 analysierten Kindern gehörten etwa 30 in eine Hilfsschule. 25 müßten in einem heilpädagogischen Heim aufgenommen werden. Weitere 80 bedürften der ständigen heilpädagogischen Behandlung und Überwachung. Es gibt Kinder, die jahrelang in der gleichen Schulklasse sitjen, bleiben, als Ballast mitgeschleppt werden, schließlich aus der Schule entlassen werden und dann auf der Straße verwahrlosen. Das Problem der Disziplinier u n g spielt eine große Rolle. Viele Eltern klagen, daß sie mit ihren Kindern nicht mehr fertig werden. Die Autorität der Erwachsenen ist erschüttert. Es ist nicht immer leicht, den Eltern die naheliegenden Gründe auseinanderzusetzen und ihnen klarzumachen, daß die veränderte Situation von ihnen ein anderes Verhalten und Anpassung an die Emanzipation der jungen Generation erfordert. Die Erscheinung des sogenannten Levantinismus, die