Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 109)
- Language
- German
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- Haifa 1× ep/1047930
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HEILPÄDAGOGISCHE ARBEIT IN HAIFA 101 Aber für eine lange Epoche des Überganges werden wir mit schweren Störungen nervöser und seelischer Art zu rechnen haben, und es muß eine Hauptaufgabe der sozialen Organisation sein, in vollem Bewußtsein der vorhandenen und weiter zu erwartenden Schäden, die notwendigen Einrichtungen und Maßnahmen zu treffen. Vom Standort des Sozialhygienikers gibt es noch nicht eine einheitliche jüdische Jugend. Er sieht Schichten, deren soziales und kulturelles Niveau so tief steht, daß schon die ideologische Verständigung auf Schwierigkeiten stößt. Die Zahl der jugendlichen Menschen, die sich den harten Bedingungen der Aufbauarbeit nicht erwachsen erweisen, ist nicht unbeträchtlich. Mit der Zunahme der Großstädte und des Großstadtbev triebes mehren sich die Möglichkeiten der Abirrung von der klaren Linie der Eroberung des Landes durch schöpferisch-produktive Arbeit. Die für europäische und amerikanische Verhältnisse selbstverständlichen sozialen Hilfsmittel, Sonderschulen, Heime, Ambulatorien, stehen nur in beschränktem Maße zur Verfügung und sind infolge der noch unentwickelten staatlichen Aufsicht unproportioniert verteilt. Die jüdische Stadt Tel-Aviv verfügt bereits über einen wohldifferenzierten Apparat heilpädagogischer Einrichtungen. Es besteht eine neuerbaute Hilfsschule für 100 Kinder. Gefährdete und verwahrloste Jugendliche werden in zwei Internaten mit etwa 100 Plätjen untergebracht. In den verschiedenen Stadtteilen gibt es Schülerklubs, in denen auch schwierige Kinder Aufnahme finden können. Neuerdings ist ein heilpädagogisches Ambulatorium im Stile der amerikanischen Child Guidance Klinik geschaffen worden. Jerusalem genießt den Vorzug der Universitätsstadt und der Nähe der zentralen Einrichtungen des Jischuw. In einer Stadt mit gemischter Bevölkerung wie Haifa ist von der Stadtverwaltung für soziale Zwecke kaum etwas zu erreichen. Die Kehilla ist durch die wirtschaftliche Fürsorge voll und ganz in Anspruch genommen. Spezielle Aufgaben wie Geisteskrankenfürsorge, Berufsberatung, Heilpädagogik, müssen — wenn überhaupt — durch private Initiative eingeleitet und durchgeführt werden. Vor eineinhalb Jahren wurde in Haifa die Gesellschaft für Erzieh ungs- und Berufsberatung gegründet. Im, Laufe der Zeit gelang es, eine Anzahl sozial und pädagogisch interessierter Persönlichkeiten und Stellen für die jugendpsychologischen und heilpädagogischen Probleme zu gewinnen und einen kleinen Stab von Mitarbeitern zu organisieren. Wir stütjten uns auf zwei statistische Er-