Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 87 (sequence 93)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4919024-4919599--1088-4919692
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

NOTIZEN ÜBER »BEN SCHEMEN« 87 den Jugendlichen und dem Mitarbeiterstab von Ben Schemen, so geht nicht nur von den brennenden Lichtern, dem Blumenschmuck und der umrahmenden Musik etwas Feierliches aus, sondern auch von der Haltung dieser zweihundert Menschen, die in dem Räume vereinigt sind. Der uralte sakrale Charakter des »gemeinsamen Mahles« hat hier eine neue Form gefunden. Diese Freitag-Abende in Ben Schemen — und vielleicht fast mehr noch die »Ssudah schlischith« (»dritte Mahlzeit«) — haben etwas Religiöses an sich, aber es ist allerdings nicht der traditionelle »Schabbath«-Begriff, der in ihnen zum Ausdruck kommt. Hier — wie an vielen anderen Stellen des Landes — ringt man sehr ernsthaft mit dem Problem, die überlieferten jüdischen Feste in einer Form zu feiern, die ihrem nationalen Charakter entspricht, ohne eine religiöse Haltung anzudeuten, die der weltanschaulichen Grundcinstcllung Ben Schemens nicht entspricht. Eine restlos befriedigende Lösung dieser Frage ist dort bisher so wenig erreicht worden wie anderswo. Aber eins ist sicherlich in Ben Schemen gelungen: die vom jüdischen Genius geschaffene Institution des wöchentlichen Ruhetages mit einer Würde und Feierlichkeit herauszuheben und zu betonen, die den jungen Menschen einen tiefen, auf ihr ganzes Leben rückwirkenden Eindruck machen muß. Kein Zweifel, daß traditionsgebundene Gemüter diese »Kabbalatb Schabbath« ohne Kiddusch, ohne Semiroth und gemeinsames »Benschen« fremd anmuten muß und daß sie sie ablehnen werden. Aber nimmt man einmal die Ablehnung des religiösen Gesichtspunktes und der ihm entsprechenden zeremonialen Formen in einer Gemeinschaft als gegeben an, so werden selbst traditionsgebundene Menschen zugeben müssen, daß, wenn nicht die religiöse, so doch die soziale Bedeutung des Schabbath in Ben Scheinen mit einer Eindringlichkeit und Schönheit ins Licht gesetzt wird, wie kaum sonst irgendwo in der jüdischen Welt. Ben Schemen, ursprünglich entstanden aus der Übersiedlung des »Kownoer Kinderhauses« nach Erez Israel, hat sich in den nunmehr fast zehn Jahren seines Bestehens nicht nur zu einem der größten pädagogischen Institute des Landes entwickelt, sondern auch zu einer Jugendgemeinschaft, die die »Internationalität« des jüdischen Volkes widerspiegelt. Es gibt dort Kinder und Jugendliche aus Cuba und Südafrika, und neben einer großen deutschen Jugend-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.