Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 94)
- Language
- German
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88 C. Z. KLÖTZL alijah in steigendem Maße eine solche aus Polen, Litauen und anderen osteuropäischen Ländern. Das führt zu ganz hesonderen Problemen, insbesondere bei den älteren Kindern und bei den Jugendlichen. Diese kommen nach Ben Schemen meistens aus den verschiedenen zionistischen »Bünden« und sonstigen Jugendorganisationen, und sie bringen nach Erez Israel nicht nur bestimmte Ideologien mit, sondern oft auch sehr bestimmte Vorstellungen in Bezug auf ihre Zukunft, welchem »Kibbuz« sie sich anschließen wollen usw. Diese Jugend bedingungslos mit einander zu mischen, hat sich als ein Versuch erwiesen, der zu Reibungen und Unzuträglichkeiten geführt hat. Man hat in Ben .Scheinen deshalb ein sehr interessantes, und wie es scheint, erfolgreiches Doppelsystem eingeführt. In ihrem Schul- und Arbeitsleben sind alle Gruppen untereinander vermischt, wie es ja im praktischen Alltagsleben des Landes auch der Fall ist. Aber die einzelnen »Kwuzoth« (hier: Hausgemeinschaften), insbesondere die der die Landwirtschaftsschule besuchenden Jugendlichen zwischen 15 bis 18 Jahren, sind auf Grund der Zusammengehörigkeit zu bestimmten Jugendorganisationen (Habonim, Werkleute, Gordonia, Pal. Arbeiterjugend) organisiert, wobei die Wahl dem Jugendlichen selbst freisteht und die Grenzen zwischen den einzelnen Gruppen so fließend wie möglich gehalten werden. Eine Institution, die rund zehn Jahre existiert, kann in Erez Israel schon als tief verwurzelt gelten. Ben Schemen aber genießt im Lande selbst und bei den Juden der Gallith ein Ansehen, das einem weit höheren Alter entspräche. Man kann wohl kaum die wesentlichen Leistungen des Aufbaus aufzählen, ohne sehr weit oben auf der Liste Ben Schemen zu nennen. Vielleicht der beste Beweis dafür, wie sehr es ein integrierender Teil Erez Israels geworden ist, ist die Tatsache, daß man seinen Ursprung fast schon vergessen hat. Und doch strömen ihm aus diesem Ursprung die wahren Quellen seiner Kraft. Jüdisches Volksheim Berlin — Kinderhaus Kowno — Ben Schemen: das ist die Entwicklungslinie, auf der zum ersten Mal mit einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zwischen West- und Ostjuden Ernst gemacht worden ist. Ben Schemen ist eines der schönsten und überzeugendsten Beispiele der Volkswerdung des Judentums in unserer Zeit.