Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 92)
- Language
- German
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86 C. Z. KLÖTZL Telegraphenanlagc und Landkarten . der Telegraphenlinien werden gezeichnet. Endlich fehlt auch das Rechnen nicht: an praktischen Beispielen werden die Kosten des Telegraphierens nach verschiedenen Ländern herechnet. Man sieht, hier wird bei Kindern eine Methode in Anwendung gebracht, die in Europa im Allgemeinen erst bei Studenten Verwendung findet: das selbständige Erarbeiten des Wissensstoffes aus den Quellen. Aber Ben Schemen hat den Vorzug, daß es Prinzipien nicht zu Tode reitet, und sich nur soweit an sie hält, als sie seinen Zwecken dienen. Und darum wird in Ben Schemen nicht nur »studiert«, sondern auch »gelernt«. Jede Gruppe muß das Wichtigste des von ihr Erarbeiteten schriftlich niederlegen, und diese Niederschriften bilden — bei dem noch herrschenden Mangel an hebräischen Lehrbüchern — das wichtigste Material für das gedächtnismäßige Sichaneignen des Lehrstoffs. Bir Inhalt muß von allen Mitgliedern der Klasse gelernt werden, — und regelmäßige Prüfungen stellen immer wieder das Maß der erworbenen Kenntnisse fest. Dem Pädagogen werden folgende Feststellungen aufschlußreich sein: erstens, daß die Schüler Ben Schemens weit über den Durchschnitt eine klare und gefällige Handschrift besitzen und eine ebenso überdurchschnittliche Exaktheit graphischer Darstellung. Bire statistischen Zeichnungen und insbesondere ihre Landkarten verdienen jedes Lob. Wenn es wahr ist, daß die Kultur eines Volkes sich nicht zum wenigsten in seinen Tischsitten manifestiert, so muß man wünschen, daß die von Ben Schemen in Erez Israel zur Norm werden. Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen fast zwei Jahrzehnte seines Lebens in Internaten aller Art verbracht hat — teils als Schüler, teils als Erzieher —, für den ist die Atmosphäre eines gemeinsamen Eßsaals außerordentlich aufschlußreich. Die Tatsache, daß früher viele Anstalten für die Dauer der Mahlzeiten absolutes Sprechverbot eingeführt hatten, zeigt, wie hilflos man dem Lärmproblem gegenüberstand, das bei Kindern auf andere Art nicht zu lösen seinen. In Ben S(bemen benehmen sich Kinder und Jugendliche bei Tisch wie — es gibt keinen passenderen Vergleich — ladies und gentlemen. Bei den Kindergruppen von etwa dreißig, deren jede ihren eigenen Speiseraum hat, herrscht bei den Mahlzeiten eine Wohlerzogenheit, die um so erfreulicher ist, als sie gänzlich ungezwungen erscheint. Und wenn am Freitag Abend das große »Chadar Ochel« bis auf den letzten Platz gefüllt ist mit