Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 91)
- Language
- German
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NOTIZEN ÜBER »BEN SCHEMEN* 85 ten, wie das Kind die Bewältigung seiner Aufgabe seinen Kräften anpaßte, den Schlauch nur bis zu dem Grade öffnete, bei dem es ihn noch zu meistern vermochte, den Eimer nicht schwerer füllte, als es zu tragen vermochte. Jede seiner Bewegungen zeigte dabei die Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit des »gelernten Arbeiters«. Es war kein Spiel, das vorgab, der Arbeit zu gleichen: es war Arbeit. Ab und zu kommt es vor, daß Kinder in Ben Schemen die Lust am Lernen zeitweilig verlieren, daß sie versuchen, den Unterricht zu schwänzen. Aber man hat so gut wie nie erlebt, daß Kinder sich von der Arbeit drücken. Sie ist ihnen zum Leben selbst geworden . . . Da wir grade den Unterricht erwähnt haben: wie steht es mit dem Lernen in Ben Schemen? Das ist doch so eine ganz moderne Schule, wo die Kinder in den Klassen machen dürfen »was sie wollen« und nur das lernen, wozu sie Lust haben? — Selbst in Erez Israel, wo man es besser wissen sollte, hört man gelegentlich diese Ansicht über Ben Schemen äußern. Nun ist Ben Schemen eine moderne Schule und ist es in besonderem Maße hinsichtlich der Methodik des Unterrichts. Wer dort, in Erinnerung an seine eigene Schulzeit, die alte »Klasse« sucht, mit ihren Bankreihen vor dem Pult des Lehrers, den erhobenen Fingern, mit denen man sich zur Antwort auf seine »entwickelnden« Fragen meldete, mit dem Chorsprechen, das den »Gedächtnisstoff« einprägen sollte, wird sich enttäuscht sehen. Eine Klasse in der »Dorfschule« Ben Schemen gleicht in ihrer Arbeitsmethode viel mehr dem »Seminar« eines Dozenten an der Universität als der »Stunde« eines ehemaligen Paukers. Ein Thema wird gestellt, und die Klasse bearbeitet gruppenweise alles, was von sämtlichen Unterrichtsfächern her zu diesem Thema zu sagen wäre. Nehmen wir an das Thema laute: der Telegraph. Nun bearbeitet eine Gruppe das rein Physikalische, einschließlich des Baues einer zwar primitiven, aber völlig gebrauchsfähigen Telegraphenanlage zwischen zwei Gebäuden des Kinderdorfes. Eine andere Gruppe arbeitet über die verschiedenen Systeme des Telegraphierens: Morsealphabetb, Fernschreiber usw. Eine dritte rückt dem Thema vom geographischen Gesichtspunkt zu Leibe: Feststellung der wichtigsten internationalen Überlandlinien und Seekabel. Eine vierte: die Vorschriften des Telegrammverkehrs u. a., in welche Länder man in hebräischer Sprache telegraphieren kann und in welche nicht. Schemata einer