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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 84

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 84 (sequence 90)
Language
German
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84 C. Z. KLÖTZL nötig, der Kinder »Arbeit« verrichten läßt, deren Resultate entweder völlig unnütz und unverwendbar sind, oder die später von Erwachsenen zuendegeführt werden muß. Wenn hier neben dem großen landwirtschaftlichen Betrieb, der der Ausbildung der 15- und 18jährigen dient, die Kindergemeinschaft ihren eigenen »Meschek« hat, so ist dieser wohl auf die Kräfte von Kindern zugeschnitten, aber die Arbeitsleistung, die er erfordert, ist vollgültig und ihre Resultate unterscheiden sich an Wert in nichts von denen, die die Arbeit der Erwachsenen erzielt. Das sei an einem sehr bezeichnenden Beispiel erklärt. Zehn- bis Zwölfjährigen Arbeit im Kuhstall zu geben, ist unmöglich; sie wäre körperlich viel zu anstrengend. Man hilft sich in Ben Schemen nun nicht etwa so, daß man die Kälber der Pflege der Kinder anvertraut. Ein Kalb ist keine Kuh, es ist aber auch kein Spielzeug, und als solches würden Kinder es betrachten, denen man den Kuhstall als »zu schwer« sperrt. Dagegen hat man die Schafzucht, in Ben Schemen ausschließlich der Kindergemeinschaft vorbehalten, und sie wird von ihr mit demselben Ernst, der gleichen Mühe und dem ganzen Verantwortungsgefühl betrieben, die seitens der Älteren ihrer Rinderherde entgegengebracht werden. Der Zwölfjährige, der ein Schaf melkt, leistet eine — an seinen Kräften gemessen — genau so schwere, wichtige und im Erfolg kontrollierbare Arbeit wie der Achtzehnjährige, der die gleiche Prozedur an einer Kuh vornimmt. Der dreizehnjährige Hirt, der seine fünfzig Schafe auf die Weide treibt, hat genau die gleiche Verantwortung wie sein fünf Jahre älterer »Kollege«, der fünfzig Rinder zu weiden hat. Er muß seinen widerspenstigen Widder so gut meistern, wie jener seinen störrischen Bullen. Und wenn diese beiden »Fachleute« sich über die Vorzüge und Mängel gewisser Weidegebiete unterhalten, so weiß der Jüngere, daß seine Erfahrungen und Ansichten genau so erarbeitet sind, wie die des Älteren. So ist es mit aller Kinderarbeit in Ben Schemen bestellt. Man läßt sie nichts tun, was ihre Kräfte übersteigt, aber so wenig, wie man die Arbeit mit jenem Pathos umkleidet, das in manchen palästinensischen Kreisen üblich ist, so wenig duldet man ihre Verniedlichung. Ich beobachtete ein achtjähriges Mädchen, das den Garten ihrer Gruppe in Ordnung brachte und die Blumen begoß. Sie mußte dabei mit normalem Gerät hantieren, unter anderem mit einem Gartensehlaucb, der unter ziemlich starkem Wasserdruck stand. Es war ein Vergnügen zu beobach-

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