Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 89)
- Language
- German
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NOTIZEN ÜBER »BEN SCHEMEN« 83 einer neuerlichen Volkswerdung auf dem Boden des Historischen Augenblicks ist. Gefährlich, weil es die unwiderruflich letjte Prohe aufs Exempel darstellt. B. G. C. Z. Klötzl: Notizen über „Ben Schemen" Das Kinder- und Jugenddorf ßen Schemen in Palästina, das unter der Leitung Prof. Lehmanns steht, gehört zu den angesehendsten jüdischen Erziehungsstätten. 300 Zöglinge aus aller Welt werden hier zu guten Juden und wertvollen, produktiven Menschen erzogen. Von Pestalozzi bis zur Montessori ringt die Pädagogik mit dem folgenden Prohlem: Die Jugend soll eine Vorbercitung für das Leben sein, also muß die Erziehung sie möglichst »lehensähnlich« gestalten. Insbesondere muß sie jenes Element enthalten, das im Leben der Erwachsenen beherrschend ist: die Arbeit. Dem aber steht zweierlei entgegen: daß die körperlichen Kräfte des Kindes weder denen eines Erwachsenen entsprechen, noch seine Psyche eine gleiche ist. Das hat oft dazu geführt, für die Jugend sozusagen ein Leben »en miniature« zu schaffen, in dem die körperlichen und geistigen Probleme der Arbeit anscheinend naturgetreu, jedoch in verkleinertem Maßstab vorhanden waren. Nun läßt sich das Leben nicht in dieser Weise reproduzieren, ohne viel von seiner Natürlichkeit zu verlieren. Nur allzu oft gleichen Schulen, die diesem Prinzip folgen, jener Zwergenwirtschaft aus dem Märchen vom Schneewittchen. Ein normales Kind wird einen instinktiven Widerstand dagegen empfinden, daß es statt mit Messer und Gabel mit »Messerchen« und »Gäbelchen« hantieren soll. Sein unbestechlicher Sinn spürt es sehr deutlich heraus, wenn an die Stelle der Arbeit eine Imitation tritt, die bei aller äußeren Ähnlichkeit doch im Kern etwas ganz anderes ist. Wenn in Ben Schemen dieses Problem als in fast vollendeter Weise gelöst erscheint, so liegt das daran, daß dieser verhältnismäßig große Wirtschaftsorganismus eine solche Mannigfaltigkeit an Betätigung bietet, daß es möglich ist, den Kindern wirkliche Arbeit zu geben, die sowohl ihren körperlichen wie ihren psychischen Kräften und Fähigkeiten entspricht. Hier ist jener fromme Betrug nicht