Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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82 S. L. MOSKOVICS Kindergarten, sagen wir in Jerusalem, am Anfang des Schuljahres zu sehen, wo Kinder in mehr als acht Sprachen, vom Deutschen bis zum Kurdischen, durcheinandersprachen, und ihn dann, ein paar Monate später, wiederzusehen, da alle diese Kinder eine einzige Sprache — Hebräisch — und zwar nur diese allein sprachen, wer dies erlebte, wird stumm sich verneigen vor dem, was hier geschah. Wie im Bezirk der Kindergärten gibt es eine, wenn man so sagen darf, weltanschauliche Trennung auch im Gebiet der Volksschulen. Auch hier sind allgemeine, misrachische und Arbeiterschulen in pädagogischer Hinsicht autonom. Diese Dreiteilung des Baus schadet aber nicht. Sie, die selbstverständliches Spiegelbild der geistigen Dreiteilung der Bevölkerung ist, dient dem gemeinsamen Ziel: Erziehung des jungen hebräischen Menschen und Wiederverknüpfung desselben mit dem Land seines Historischen Moments, mit dem Boden seiner Tradition also. Dieses betont zweigesichtige Ziel, dieses Ziel des Blicks in die Zukunft und gleicbzeitig in die Vergangenheit, dieses Ziel einer bewußten Verankerung der jüdischen Zukunft in der jüdischen Vergangenheit, ist das gemeinsame Ziel jeder nennenswerten intellektuellen Willensanspannung in dieser Zeit dieses Landes. Aus diesem Blickpunkt müssen alle Schulen des jüdischen Palästina betrachtet werden und aus diesem Blickpunkt mag mancher Mangel entschuldigt werden. Und aus diesem Blickpunkt würde ich, wäre ich ein Tourist ohne besondere Fachinteressen, auch die einzige jüdische Universität, die Hohe Schule auf dem Skopusberg über Jerusalem, betrachten. Nicht die Tatsache, ob dieses junge Institut die Konkurrenz mit manchen europäischen Universitäten aufnehmen kann oder nicht, ist ausschlaggebend. Wichtig ist vor allem, daß hier die Möglichkeit eines jüdisch-geistigen Zentrums schöpferischer, das heißt: konstruktiv-aufbauender Art geschaffen wurde, daß hier der wandernde jüdische Geist endlich auf eigenem Boden in der ihm spezifischen Landschaft jenen Punkt der direkten Konfrontation mit der Schöpfung, mit der Wirklichkeit also, gefunden hat, der, folgt man dem Montesqieu'sehen Gesetj des natürlichen Milieus, allein die Möglichkeit größtmöglicher Entfaltung verspricht. Und darin liegt auch das erschütternde Geheimnis des gesamten hebräischen Schulwesens Palästinas, das auch das Geheimnis des großen — aber auch irgendwie gefährlichen — Versuches