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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 81

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 81 (sequence 87)
Language
German
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EIN PAAR WORTE ÜBER DIE PALÄSTINENSISCHE SCHULE 81 20.000 Kinder in private Schulen schickt. Und warum nicht selbstverständlich? Darum nicht, weil Palästina eines der wenigen Länder der Welt ist — vielleicht das einzige —, in dem nicht der Staat, sondern die Bevölkerung das Schulnet} aufbaute und es erhält. Wenn man diese Tatsache richtig ins Auge faßt und sie durch die beiden andern, mehr als erstaunlichen Tatsachen ergänzt, daß es in Palästina einerseits keinen gesetzlichen Schulzwang und anderseits trotzdem so gut wie kein jüdisches analphabetisches Kind gibt, dann muß man, selbst als Üreitage-Tourist, erstaunen. Auf keinem Gebiet des Lebens ist der Gegensatj zwischen den beiden Nationen Palästinas derart groß, wie auf dem Gebiet der Erziehung: der fast hundertprozentig alphabetischen jüdischen Bevölkerung stehen 75 bis 80 Prozent Analphabeten auf der arabischen Seite gegenüber. Wenn hier auch nicht untersucht werden soll, was die Ursache dieser merkwürdigen Sachlage ist, besonders, wie weit die Regierung dabei engagiert ist, muß doch darauf hingewiesen werden, weil die Grundlage nicht nur des ökonomischen Aufbaus Palästinas, sondern auch gleicherweise die des geistigen die vollendete Freiwilligkeit ist. Keine Regierung hat, wie gesagt, die Juden gezwungen, Schulen zu bauen oder ihre Kinder in Schulen zu schicken; nein, sie taten es freiwillig, und trots aller Mängel, die da: und dort zu finden sind — dies zu leugnen wäre eines der in dieser Zeit besonders häufigen patriotischen Verbrechen, geboren aus einem sehr verwerflichen Optimismus — trotj aller Mängel, ist die palästinensische Schule docb ein großes Werk, das fast ohne fremde Hilfe geschaffen wurde. Wenn man mich fragen würde, welchen Teil des Schulwerks ich für den wichtigsten halte, würde ich ohne Zögern antworten: den Kindergarten. Mit voller Überlegung würde ich diese Antwort geben, wobei ich aber keineswegs zwischen dem »allgemeinen«, dem gese^estreuen-misraehisehen oder dem Kindergarten der Arbeiterschaft unterscheiden würde. Jeder der zweihundertfünfzig Kindergärten in den Dörfern und in den Städten des jüdischen Landes ist von größerer geistiger Wichtigkeit als irgendeine andere Institution, denn er erfüllt die allem geistigen Aufbau grundlegende Funktion: er macht das Kind, das aus einem nichthebräischen Elternhaus kommt, mit der Sprache des Landes vertraut, er schafft ihm die Möglichkeit, nachher die Schulen des Landes zu besuchen und die Kultur seines Volkes aus den ureigenen Quellen zu schöpfen. Wer einmal das erstaunliche und unvergeßliche Erlebnis hatte, einen

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