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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 79

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 79 (sequence 85)
Language
German
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CHEDER ERINNERUNGEN 79 lange, rote Streifen auf dem Körper. Aber die Kinder verraten nie etwas aus dem Cheder, das ist ein altes Chedergesetf. Mit sechs Jaliren wurde ich ein Talmudkind. Der Unterricht währte bis %9 Uhr abends. Die Kinder müssen kleine Laternen mitbringen, um in den dunklen Gäßchen den Weg zu beleuchten. Dieses eintönige Leben dauert bis zwei Wochen vor Pessach, dann ist es aus mit dem Wintercheder. Die Freude unter den Kindern ist ungeheuer. Zwei Wochen Ferien, kein Rehhe, keine Rebbezin, kein Pfeifenrohr! Frei! Die Kinder strahlen schon zwei Wochen vor Purim, im Vorgefühl dieses Glücks. Alles wird schöner, der Rehhemilder. Der Rehhe will die Kinder für den nächsten Srnan ") behalten. Kam aber die Zeit nach Pessach, die schönen Frühlings- und Sommertage, da fühlten wir uns wieder sehr unglücklich. Den ganzen Sommertag hindurch, in unerträglicher Hitje, mußten wir im engen Zimmer sitjen. Der Rebbe entkleidete sich, legte seinen Kaftan ab und blieb in der Arba Kanfot 7) und Jarmulkes). Wir durften uns nicht entkleiden aus Respekt vor dem Rebben, so daß wir wieder das Sukkothfest herbeisehnten; da sind die Tage wieder kühler, und die Qual ist nicht so groß. Nur der Sabbath brachte eine kleine Änderung in diese Eintönigkeit. Zwar besuchten wir den Cheder auch am Sabbatb, aber bloß im Sommer und nur an zwei Stunden am Nachmittag. Der Rebbe trägt den Perek der Weissagungen der Tanaiten vor. Nachher kommt das häusliche »Verhör«. Der; Vater setjt sich mit ernstem Gesicht zu Tisch, die Mutter sowie andere Frauen aus der Familie setzen sich bescheiden in eine Ecke des Zimmers, auf dem Tisch gibt es Früchte und andere süße Dinge. Fällt die Prüfung gut aus, so nickt der Vater mit dem Kopf der Mutter zu, diese weint vor Glück, die übrigen Weiber stimmen mit ein. Die Mutter sieht schon in ihrem Sohne den künftigen Zaddik. Der glückliche Sohn bekommt von dem Sabbathobst und bis zum Minchagebet ist er frei. So geht es Tag für Tag, Sommer und Winter. Die Kinderjahre verlliegen zwischen den krummen Wänden des Cheder. Nach der Rarmizwah kommt die Jeschiwah, die ernste Zeit des jüdischen Jünglings, in einer fremden Stadt, wo er sich alles allein versorgen muß und sich durch, Kosttage hei gutherzigen Familien oder mit sonstigen Spenden weiterhilft. Es beginnt eine neue Phase im Leben des jüeli-

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