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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 74

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 74 (sequence 80)
Language
German
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7 l WILLY HAAS kommen und hat den Segen genommen«. Wie ärmlieh dieses, wenn wir daneben stellen, wie sich sein Vater Ahraham einstmals in der Morgendämmerung schweren Herzens vom Lager erhob, wie er ein Brot und einen Schlauch Trinkwasser der verzweifelten Hagar über die Schultern legt und sie mit ihrem Sohn — mit seinem Sohn Jsmael in die Wüste verjagte, damit der Wille des Herrn geschehe und aller Segen auf dem Haupte Isaaks versammelt bleibe, gleichsam bis zu jenem letzten Tröpfchen, das die unglückliche Mutter Hagar bald darauf ihrem Kinde zu trinken gibt, worauf sie es unter einen Strauch legt, damit sie es nicht sterben sehe. Nicht einmal die schwere Last des Segens der Verheißung, die dem einen gibt und dem anderen nimmt, muß der junge Isaak auf seinen schmalen Schultern tragen, — auch dies, das Schwerste und Größte, bleibt ihm erspart. Unter den Erzvätern ist er der schicksalsloseste. Er ist nur da wie eine Brücke, wie ein Mittelsmann, damit der Segen über Abraham auf Jakob übergehe. Er ist zuerst der Sohn Abrahams — dann der Vater Jakobs. Wann aber ist er Isaak? Der junge Isaak hat 3einen großen Augenblick gehabt, und dieser eine Augenblick hat ihn für das ganze Leben bestimmt. Es ist der Augenblick, da er geopfert werden soll: Als passiver Blutzeuge für das Bündnis Gottes mit Ahraham, als passiver Blutzeuge für den einmaligen und ewigen Augenblick, in dem sich eine übermenschliche Forderung des Herrn mit einer übermenschlichen Bereitschaft seines Knechtes Abraham trifft. Deshalb gilt Isaak in der jüdischen Überlieferung als ein Art Patronus des Glaubensmartyriums. Und doch ist Isaak kein eigentlicher Glaubensmärtyrer. Die Schrift weiß nichts von seiner Opferbereitschaft. In seinem entscheidenden Augenblick ist er gleichsam für die Schrift garnicht vorhanden. Nirgendwo wiril gesagt, daß er sich der Bedeutung des Augenblickes bewußt sei. Und er wird auch gar nicht geopfert. Er überlebt die große Stunde, von der man also doch nur mit Vorbehalt sagen darf, sie sei seine große Stunde gewesen, denn sie ist an ihm vorübergegangen, nicht durch ihn hindurch. Bevor er bewußt zu leben begonnen hat, hat er nichtsahnend seine Aufgabe für die Ewigkeit scheinbar schon hinter sieb. Nicht der Patron des Glaubensmartyriums sollte er heißen — sondern der Patron einer aufgeopferten jungen Generation, aufgeopfert, bevor sie noch verstehen konnte, welche Bedeutung dieses Opfer haben

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