Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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TRAKTAT VOM JUNGEN ISAAK 73 ist gleich.*) Aber alles ist doch wieder ganz anders. Es ist, als oh alles Schwere, Abenteuerliche, Schicksalhafte, Gefahrvolle aus diesem Leben fortgenommen wäre. Nicht mehr ist Isaak in Gefahr — wie es Abraham zweimal war — daß ihm seine Frau Rebekka als Strafe für die Notlüge fortgenommen wird. Sondern Abimelech sieht alsbald die angebliehe »Schwester« mit Isaak nahe dem Palast Liebkosungen austauschen, die den König sofort über die wahre Art dieser Beziehung aufklären. Und während Abraham als der souveräne, gewaltige Held den König Abimelech wegen der Angriffe auf seine Brunnen zur Rede stellt und ihm den Frieden gleichsam diktiert, macht das Schicksal dem Isaak seine Rolle wiederum leichter: er gräbt einen Brunnen nach dem anderen auf, läßt sie wieder von den Knechten Abimelechs zerstören, bis es einmal doch gelingt, und ihm Abimelech von selbst den Frieden und den Bund anbietet. In all dem ist auch nicht die Spur eines wirklich eigenen Schicksals, es ist alles nur wie der blasse Schatten des größeren väterlichen Schicksals. Ein Lachen steht vor seiner Empfängnis und an seiner Wiege: Seine Mutter Sarai hat im Zelte gelacht, damals, als sie die erste Botschaft von Elohim empfing, und dieses Lachen haftet ihm schon von der Geburt an, denn als er geboren wird, sagt Sarai nochmals: »Gott hat mir ein Lachen beschert, denn wer es hören wird, der wird mich alte Frau auslachen.« Und etwas von diesem Lachen, das kein gutes Lachen ist, begleitet ihn sein ganzes Leben, bis in die Späte seines Greisenalters, da er auf eine Art, die wir nicht anders als ein wenig täppisch-humoristisch, ein wenig buffomäßig empfinden können, von seiner Frau und seinem Sohne Jakob, mit Hilfe eines Tierfelles und eines guten Bratens um den Segen der Verheißung betrogen wird. Noch in diesem patriarchalischen Alter hat er keinen rechten Instinkt für das Erbe der Verheißung, keine Stimme Sagt ihm, wer der wahre Erbe der Verheißung ist, während doch Abraham, der in der gleichen Lage war, sofort von der Stimme darüber belehrt wurde, daß er den Sohn Hagars, Jsmael, den Analogen Esau, zu verstoßen und allen Segen auf Isaak zu häufen habe. Welch ein klägliches Wort hingegen das Wort Isaaks an Esau, der ihm nur allzu berechtigte Vorwürfe macht: »Dein Bruder Jakob ist mit Trug ge- *) Die Analogie ist so auffallend, daß die Bibelkritik in Isaak und Abraham dieselbe Gestalt sieht, die erst später »gespalten« wurde. Übrigens soll nach der Bibelkritik die Gestalt Abrahams eine spätere Abspaltung von Isaak sein, nicht umgekehrt, wie man denken sollte.