Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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72 WILLY HAAS den Stein des Anstoßes sofort aus dem Wege — das Erstgeburtsrecht fällt ihm kampflos und scliicksalslos in den Schoß. Fast scheint es die Schrift darauf abgesehen zu haben, sich ein wenig über ihn lustig zu machen. Eine schöne Frau wird ihm ausgesucht, ohne daß in diesem Zusammenhang auch nur sein Name in der Schrift genannt wird. Mit der größten Deutlichkeit weisen hier die Analogien der Schrift auf die Brautfahrt seines Sohnes Jakob hin. Aber auch hier: welches große, weltbewegend symbolische Schicksal in dem Dienen Jakobs um die geliebte Rachel, die Nichte der Rebekka — während dem Isaak die Schrift nichts weiter zu tun gibt, als daß er eines schönen Abends in den Feldern zu spazieren hat, um seine liebliche Braut aus den Händen des Knechtes entgegenzunehmen. Diese Analogie ist eine der pointiertesten in der ganzen Thora — man vergleiche nur, mit welchem ins Detail gehenden Parallelismus die erste Begegnung des Knechtes mit Rebekka und die Jakobs mit Rachel an der Tränke erzählt ist; und wenn wir überhaupt einen Sinn in die biblischen Erzählungen legen, wo wäre er augenfälliger als hier? Wo ließe er klarere Schlüsse zu als hier? Ihm bleibt zuviel erspart, zu viel erspart ihm sein Schicksal, sein größerer Vater. In seiner übergroßen Vaterliebe hindert er ihn an einem großen Leben. Wir (lenken hier etwa an Goethe und seinen Solin. Auch Goethe hat seinen Sohn durch seine Größe erdrückt, auch Goethe hat seinen Sohn vom Schicksal abgesperrt. Als Abraham stirbt, soll endlich das eigene Schicksal Isaaks beginnen — sein eigenes MannesschickBal. Hier aber beginnt die Analogik der biblischen Erzählungen ein Spiel, das fast an Karikatur grenzt. Das Kapitel 26 des Buches Bereschith, das dieses Schicksal umfaßt, nicht mehr als 35 Verse, mutet an, als habe ein Schreiber es darauf angelegt, ganz einfach das Leben Abrahams in einem zweiten, verkürzten, farblosen und unbedeutenden Duplikat zu wiederholen. Es wiederholt sich die Geschichte mit Sarai, die von Abraham vor dem König Abimelech als Schwester ausgegeben wird (— auch diese schon eine Wiederholung des gleichen Vorganges vor dem Pharao von Ägypten —); es wiederholt sich die Entdeckung der Notlüge, die Vorwürfe Abimelechs, die Buße. Es wiederholen sich die Streite um die Brunnen. Es wiederholen sich der feierliche Friedensschluß, das Bündnis, das Mahl mit Abimelech. Alles