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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 71

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 71 (sequence 77)
Language
German
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TRAKTAT VOM JUNGEN ISAAK 71 Gottes, seiner Opferung, widerstrebe. Diese Frage soll er verneint und sich in den Willen Gottes vorbehaltlos gegeben haben; auch habe er selbst gebeten, ihn zu binden, damit er sich bei der Opferung nicht bewege und so die Heiligkeit des Opfers fragwürdig mache. Selbst soll er dann seine Kehle dem Messer entgegengewölbt haben, den Kopf zurückbeugend. — Aber es gibt andere Überlieferungen, nach denen er gebeten und gefleht haben soll, sein Vater möge ihn verschonen, und sich schließlich vor dem drohenden Opfermesser versteckt habe. So sehr schwankt sein Charakterbild in der Geschichte. Man stelle daneben sein weibliches Ebenbild, Jphigenia. Auch Jphigenia soll geopfert werden. Aber in der Erinnerung der Nachwelt, in Sage und Dichtung, ist sie hier die Hauptfigur, ihr Vater Agamemnon die Nebenfigur. Ihr Opfertod, im letzten Augenblick von der Gottheit abgewendet — wie der Isaaks — ist ein ewiger Moment in der Dichtung der Menschheit geworden, der in allen Jahrhunderten immer wieder fortentwickelt und gedeutet wurde, bis Goethe in ihn gleichsam die Geburt des Humanismus zurückverlegt, als die erste Station eines Frauenlebens, deren letzte die Humanisierung der Barbarei, die Erlösung von der Ur¬ Angst der primitiven Menschheit, eine Art Vorahnung der humanistisch-christlichen Welt ist. Hingegen bleibt Isaak der Erbprinz, das langerwartete, oft verkündete, spät geborene Hätschelkind eines gewalligen Mannes. Etwas von dem Fluch der Söhne großer Männer haftet ihm trotz allem Segen Gottes an — auch dieser Segen wird ihm ja doch nur zuteil, weil er der Sohn seines Vaters ist, mit dem der Herr den großen Bund zwischen den zerstückten Tieren geschlossen hat. Audi hier ist er nur der Erbe, der Erbe des Segens. Weder wird ihm so etwas wie die ungeheure Erprobung Abrahams auferlegt; noch hat er mit dem Engel zu kämpfen wie Jakob. In dem großen Analogismus der Thora ist Isaak die Parallele zu Habel und zu Jakob, während sein kriegerischer Bruder Jsmael seine Parallelen in Kain und Esau hat. Aber wie schlecht kommt Isaak auch in dieser Analogie wieder weg! Während Kain da tragische Schicksal Habels ist, und Esau, der brüderliche Feind-Freund, der zündende Funke zu dem ungeheuren Schicksal Jakobs, wird Jsmael sofort vertrieben, als er es wagt, den Erbprinzen zu bespötteln. Während Jakob um seine Erstgeburt und das Erbe der Verheißung kämpfen, handeln, feilschen, leiden muß, von seiner Mutter Rebekka aufgestachelt, schafft Mutter Sarai

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