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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 68

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 68 (sequence 74)
Language
German
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68 M. J. BEN-GAVHIKIi tet. »Natürlich«, antwortete er: »die Mesusah.« Und ob er auch wisse, was die Mesusah ist, fragt die Mutter weiter. Der Junge denkt nach und dann sagt er mit Überzeugung: »Hammesusah hi hatermometer schel elohim: die Mesusah ist das Thermometer vom lieben Gott.« Eine andere typische Geschichte: Der Himmel brennt im Abendrot. Eine jüdische Mutter zeigt auf den Himmel und sagt: »Das hat Gott gemacht.« Fragt dann: »Weißt du, wer Elohim ist?« Worauf das Kind prompt antwortet: »Ein Araber.« Dieser Ausspruch erscheint mir besomlers interessant. Die Assoziationen, die zu ihm führen, aufzuhellen, wäre ungemein lohnend. Es kann sein, daß das glühend Purpurne der versinkenden Sonne das Kind an die buntfarbige Kleidung der Araber erinnert, es kann aber auch sein, daß das erschütternd gewaltige Erlebnis der Unfaßbarkeit in ihm die Assoziation an das ihm gleichfalls Unbegreifliche des erwachsenen Arabers hervorruft, der ein durchaus anderer ist als der Erwachsene in seiner Familie und1 in seinem Wohnquartier. Womit aber nicht gesagt sein soll, daß nicht noch zwanzig andere Erklärungen möglich sind. Wichtig ist nur, daß dieser Ausspruch für das Land spezifisch ist. Nicht weniger interessant sind Worte arabischer Kinder. Es seien als Abschluß dieses kurzen Hinweises auf ein großes, selten begangenes Gebiet, zwei Gespräche notiert, die, äußerlich gesehen, nur lustige Anekdoten zu sein scheinen. Geht man ihnen aber auf den Grund, dann kann man aus ihnen einen tiefen Blick in die Lebens- und Denkweise jener arabischen Kinder aus den untersten sozialen Schichten tun, die, beinahe von der Geburt an, vom Fremdenbettel leben. An einer gewissen Straßenecke Jerusalems sitjt täglich ein alter blinder Bettler mit einem etwa drei- oder vierjährigen Kind, das ganz fantastisch verwahrlost ist. Einmal ging ich vorbei: der Alte schlief in der Sonne, der Kleine bettelte mich an. Ich gebe ihm eine Banane. (Früchte und Zigaretten, aber auch Blumen werden im allgemeinen von Bettlern einer Geldgabe gleichgesetzt.) Hastig reißt der Kleine die Schale ab, stopft die Frucht in den Mund und würgt sie schnell hinunter. Dann stößt er dem schlafenden Blinden die kleine Kinderfaust in die Seite und ruft: »O Vater, wach auf, und sag danke!« Und schon murmelte der Alte im Halbschlaf sein mechanisches: »Allah vermehre dein Gut!« An anderer Stelle ein, übrigens außerordentlich reizendes kleines Mädchen, das nur in Eingeborenenquartieren bettelt. Wenn wir uns treffen, begrüßen wir einander mit

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