Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 67)
- Language
- German
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BENE ISRAEL 63 hört (.lud. 11, 40). Ein Greuel ist das Kindesopfer, ein Verbrechen, mit dem Tode geahndet (Lev. 20, 1—5). Der sonst abgehärteten israelitischen Krieger bemächtigen sich Ekel und Entrüstung, als sie im Kampfe gegen Moab, einen heidnischen König seinen eigenen Sohn als Ganzopfer darbringen sehen. Sie, die Siegreichen, räumen beim Anblick dieses grausen Schauspiels das Schlachtfeld und ziehen lieber unverrichteter Dinge davon (II. Reg. 3, 27). Hingegen wird an der echten Kindesliebe die wahre jüdische Mutter erkannt, durch Salomo, den weisen König und Richter (I. Reg. 3, 16 ff). — Kinderreichtum ist der höchste Segen, Kinderlosigkeit hingegen größte Schmach und Fluch (Deut. 7, 13—14; I. Sam. 1, 6 ff). War eine Ehe kinderlos, so wird zunächst das Kind einer Magd als Ersatz adoptiert (Gen. 16, 2 ff; 30, 3 ff). — Erziehung bietet der Volksweishcit ein dankbares Gesprächsthema zu allen Zeiten. Die Liebe zum Kinde erscheint da allerdings nur in ihrer Verbindung mit Strenge als Tugend: »Entziehe -dem Knaben nicht deine Zurechtweisung, schlägst du ihn mit der Rute, so wird er daran nicht sterben. Mit Rute schlägst du ihn, aber rettest ihn vor Untergang«, hieß es in den »Sprüchen« (Prov. 23, 13—14) ■— und fürwahr, die jüdischen Melamedim des ganzen Ostens wissen diese didaktische Maßregel der salomonischen Erziehungskunst ergiebigst zu würdigen. Nirgends wird sie jedoch so gewissenhaft gehandhabt wie bei unseren fernen Brüdern, den Jemeniten. Übergibt doch der jüdische Vater dort sein Söhnchen dem gestrengen »Möri« (mori, Rabbi, in der jemenitischen Aussprache) mit den traditionellen Worten: »Hiemit gebe ich dir diesen meinen Sohn preis, bis auf — ein Auge, eine Hand und ein Bein (die allein unversehrt bleiben sollen...)!«. — Und doch heißt es im Talmud (Aboth II, 6): »Der Pedant ist ebensowenig Pädagoge wie der allzu Schüchterne ein guter Schüler ißt.« Mit fünf Jahren soll der regelrechte Unterrieht unbedingt beginnen, meint der Talmud (Aboth V, 24), was wohl auch einen nicht weniger intensiven Vorunterricht nicht ausschließt. Darum ist es bei den Chassidim Brauch, das Kind bereits an seinem dritten Geburtstage für die Talmud-Thorah einzuweihen. Feierlich geht es da im Elternhause zu an diesem Tage. Der dreijährige Adept des theologischen Wissens wird bei diesem Anlaß säuberlich geschoren — zum ersten Male seit seiner Geburt — in ein Schabbatb-Kaftänchcn gekleidet, mit dem »StramI« seines