Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 66)
- Language
- German
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(»2 GEORG LANGER duktion aufs Kindliche, auf das eigene früheste Erleben und die Jugendgeschiehte des Volkes. Aus der Frage des Kindes heraus die Welt sehen, ist die ganze Weisheit des Alters. Georg Langer: Bene Israel »Jüdische Kinder«, »bene Israel« oder »jalde ha-'lbrim« ■— so nannten sich unsere Vorfahren, als sie sich noch in der geheiligten Sprache der Propheten unterhielten. Aber nicht allein die Einzelnen sind »Kinder«. Der ganze Stamm, das Volk in seiner Gesamtheit ist — ein Kind. Ein Gotteskind. »Mein erstgeborener Sohn ist Israel«, läßt Gott durch Mosche verkünden (Ex. 4, 22) und den Stamm Ephraim liebkost er durch Jirmejah, den Propheten, »Ist denn Ephraim nicht mein teuerster Sohn, mein Lieblingskind, dessen ich gedenke immerdar... (Jer. 31, 20)?« — Ergriffen pflegen die Vollendeten und Frommen am Versöhnungstage beim Vortragen dieses Gotteswortes zu weinen. Und doch ist an ihm nichts Seltsames. Ist der liebe Gott unser Schöpfer und Vater, so sind wir eben seine Kinder. — Mit Sühn- und üankopfern wurde dereinst die Geburt des Kindes begrüßt (Lev. 12, 6), und an dem Tage, an dem man es zu stillen aufhörte, gab es im Elternhaus ein fröhliches Trinkfest, an dem Freund und Feind teilnahmen (Gen. 21, 8). Aber nicht allein das Kind, auch Personen, die sieh um seine Pflege verdient machten, standen im hohen Ansehn. Die braven Hebammen Schifrah und Puah, tragen nur deshalb so schöne Namen, weil sie dazumal in Mizrajim (Ex. I, 15) so nett zu dem Kleinen waren (Talmud, Sota 11 b). Und als die greise Dcborah, die liebe Amme der Großmutter Rebeka, starb, da gab es ein Weinen und Klagen in der ganzen Gegend um Bet El (Gen. 35, 8)! Frühzeitig unterlassen es die Hebräer — dabin belehren uns Ausgrabungen — durch Kinderopfer Götter und Erdgeister zu beschwichtigen, und alte Erzählungen über Kinderopferungen werden mit Gruseln und mit Tränen ange-