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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 54

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 54 (sequence 58)
Language
German
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54 BERTHA BADT-STRAUSS ganze Reihe von Handwerken gab, die vorzugsweise von Juden ausgeübt wurden. In den allermeisten Fällen mußten sich die Eltern begnügen, die Kinder mit der alten Erbschaft fürs Leben auszustatten — dem Lernen. Und nun begann jenes unnatürliche und meist naturferne Kinderleben, das uns in den legten Jahrzehnten so oft von denen geschildert worden ist, die es selbst erlebten und erlitten hatten. Bialiks Kindheitserinnerungen zeigen den grausamen Lehrer, der mit seinem ebenso grausamen »Behelfer« dem kleinen Jungen alle Lebensfreude raubt — aber auch den milden Rabbi, dessen Worte so lieblich in die Herzen der Kinder träufeln wie Honigseim und der draußen vor seiner Sukka unter den Bäumen des Waldes mit ihnen lernt. Beide aber brauchen das ganze Leben des Kindes: da bleibt kaum Zeit für Spiel und Kinderlust. Bialiks Geschlecht, das Geschlecht einer Jugend des Bet- Hamidrasch, ist untergegangen; seine Not ging mit ihm unter — aber auch sein Glanz. Eine neue Jugend erstand hier und im Lande Israel. In den Ländern Europas — nicht nur in Deutschland, aber vielleicht vorwiegend in diesem Lande — konnte man in den legten Jahrzehnten nicht selten ein ganz neues Jugendbild beobachten. Es waren die Kinder aus unjüdischen Judenhäusern, die ihre Eltern »zurückführten«. Vielleicht ist seit dem Geschlecht unseres Vaters Abraham und seines Vaters Terach, des Götjen- Anbeters, dies Schauspiel in der jüdischen Geschichte nicht wiedergekehrt. Diese Jugend war es, die in den feurigen Ofen dieser Jahre hineinstieg und mit heilen Gliedern1 und mit heilem Herzen heraus kam. Diese Jugend ist es, die in unseren Tagen auf den Feldern unseres Landes wacht und arbeitet — und kämpft, wenn es sein muß. Kinder waren sie hier, behütet und umsorgt — dort sind sie zu Männern und Frauen geworden, die das Beste in ihrem Leben der Zukunft ihres Volkes weihen. Und sie begegnen nun jenen Kindern, die schon dort im Lande aufgewachsen sind: keck und beherzt wie die Dornpflanzen, die oft dort Felder1 und Wiesen umhegen — aber wie diese Büsche selbst manchmal zu ungeahnter Blüte emporsprossend. Diese jüdischen Kinder in unserer Zeit, wie sie hier die Prüfung bestehen und dort ihr Werk erfüllen — sie sind es heute, die unserem Volke die Ewigkeit verbürgen.

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