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Jüdischer Almanach · 1938-01-01 · 5698 (1937-1938) · p. Seite 53

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Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5698 (1937-1938)
Date
1938-01-01
Page
Seite 53 (sequence 57)
Language
German
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DAS KIND IN DER JÜDISCHEN WELT 53 seher stand da, um gleich einzuschreiten, wenn sie sich vergingen. Mit Freuden hören wir aber, daß es auch damals schon Rahhonim gab, die dafür waren, lieher die Kinder zu Hause zu lassen, als sie zu früh und zu lange mit ins Gotteshaus zu nehmen. Und als besonders bezeichnend empfinden wir die Warnung an die Eltern, die Kinder nicht vor der Zeit zum Fasten zu veranlassen. Wenn einer ein Kind habe — so heißt es — so mußte er selbst nach Hause gehen, um nach dem Schacharit-Gebete dem Kinde zu essen zu geben (das, wie er selbst, bis dahin nichts angerührt hatte). »Der Hauch der Schulkinder verbürgt die Fortdauer der Welt« heißt ein schönes, oft wiederholtes Wort, das die Erkenntnis von der Kostbarkeit des Kindes für die Dauer der Gemeinschaft in Worte kleidet. Aber diese Schulkinder sollten — wenigstens in den Tagen unserer jüdischen Antike — nicht nur zum Lernen erzogen werden. Jeder Vater war verpflichtet, seinen Sohn ein Handwerk lernen zu lassen, das ihn ernähren konnte. Ackerbau sollte er ihn lehren; ja — nach andern — auch den Gebrauch der Waffen, in dem sich die Jünglinge Judas draußen im Tale übten. »Tora im Derech Erez« wie das später oft und in anderm Sinne zitierte Wort angibt. Auch die Mädchen sollten Tora lernen, wenn sie auch nicht zum Studium der Mischna herangezogen wurden. Dafür mußten sie auch ganz besonders sich mit der Vielfalt; der häuslichen Bräuche beschäftigen, die ihnen übertragen waren; darin brachten es einige Frauen so weit, daß Rabbiner sich bei ihnen Rates erholten. In alter Zeit waren die Kinder auch nicht tagaus tagein ins Schulhaus gebannt. Am Lagbeomer zogen sie aus mit Bogen und Pfeilen und lieferten große Schlachten, eine Schule der andern; am Erew Peßach mußten sie den Scheiterhaufen anzünden, auf dem das Chomez der Gemeinde verbrannt wurde. Und am Sukkot begleiteten sie die Eltern zum »Feste des Wasserschöpfens« — der größten Freude, die es im Lande gab. Dies ganze Bild verschob sich beträchtlich in späteren Zeiten. Selten wurden die Väter, die den Sohn noch hätten den Ackerbau lehren können, damit er des Vaters Grund und Boden weiter baue — obwohl in den weiten Feldern Böhmens und Ungarns genug Juden auf Gütern saßen, die sie vom Urahn ererbt hatten. Selten auch waren die Fälle, daß die Zünfte den Juden noch die Übung eines Handwerks gestatteten — obwohl es im Osten noch eine

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