Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5698 (1937-1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
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DAS JAHR 5697 1,3 an, wie sie nur selten bisher ihren Federn entströmten. Das große Wagnis, aus den zahlreichen hervorragenden jüdischen Musikern in aller Welt in so kurzer Zeit eine Einheit zu bilden, die von der ersten Minute ihres Wirkens an den Gipfel künstlerischen Schaffens erklimmen sollte, ist geglückt. Huberman hat mit der Schaffung des Palästinaorchesters ein Stück zur Einlösung jenes Versprechens beigetragen, das wir zu Beginn der zionistischen Tätigkeit der Welt gegeben haben: von Palästina aus die Welt mit neuen großen Kulturschöpfungen zu bereichern. Die neuen Formen kollektiven Zusammenlebens, die neuen Wege der Kinderpflege und Sorge um die heranwachsenden Generationen, der Wiederaufbau eines Landes und einer Sprache — all das gehört hieher. Aber die große Welt hat vielleicht erst unter dem Eindruck der Leistungen des Hubcrman-Orchesters so richtig verstanden, daß jenes Versprechen keine leere Phrase gewesen ist. Andere, die sich gerne als »Retter der Kultur« aufspielen, überschütten die Welt mit giftigen Haß, versetzen ganze Erdteile in eine würgende Kriegspsychose — wir, »der Auswurf, die Untermenschen usw.«, ein kleines gepeinigtes Volk, schenkten in diesen Tagen der Welt eines der größten Orchester aller Zeiten. Zu den fleißigen Besuchern der Huberman-Toscanini- Konzerte gehörten sechs englische Gentlemen, die unter der Führung Lord Peels anfangs November in einer besonderen Mission nach Palästina gekommen waren. Die englische "Regierung hatte schon während der Unruhen zu einem alten britischen Ausweg aus so heiklen Situationen, zur Ernennung einer »Königlichen Kommission« gegriffen, die an Ort und Stelle »die Ursachen der Unruhen erheben und feststellen soll, ob die britische Mandatspolitik Arabern oder Juden berechtigten Grund zur Klage gibt und, falls sie Grund zu Beschwerden feststellen sollte, Vorschläge zu deren Beseitigung unterbreiten«. Die Ernennung dieser Königlichen Kommission war auf jüdischer Seite mit besonderer Kühle und Skepsis aufgenommen worden, hatte man doch bereits einige üble Erfahrungen mit ähnlichen englischen Experten (Haycraft- und Shaw-Kommission, Simpson und Freiich) gemacht, die samt und sonders mit antizipnistischen Ressentimenten und Ratschlägen aus Palästina nach London zurückgekehrt waren. Die Zusammensetzung der Königlichen Kommission