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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 232 (sequence 234)
Language
German
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232 hatte diesen besonderen Namen: Ich glaube, dass mit diesem Namen alles zusammenhing. Wenn ich Prokop geheissen hätte oder Cyrill wäre ich auch Bauer, Handwerker, Taglöhner oder sogar Pfarrer zu Hause geworden wie Josef Chlup. Wenzel Svatek hat sich zwar erhängt, und ich habe ihn selbst im Jungwald an einem dünnen Bäumchen hängend gefunden. Er war vierzehn Jahre alt. Aber das hatte seine besonderen Ursachen und davon wollte ich nicht erzählen» Ich hätte gern Anton geheissen wie mein Vater. Aber noch lieber hätte ich Cyrill oder Methud geheissen wie unsere Schutzpatrone, die ein buntgestrichenes Denkmal haben, das am Ortseingang steht. Ich erinnere mich an dieses Denkmal ganz genau, trotzdem es nun 7-wanzig Jahre her ist, dass ich es gesehen habe. Die beiden Heiligen stehen nebeneinander, der eine hält das Kreuz, der andere die Bibel in der Hand. Es ist, als seien sie unterwegs in unseren Ort. An ihrem Tage wird das Denkmal der Heiligen bekränzt. Ich dachte, dass es schön sein müsse, einen Namenstag zu haben, der zugleich ein Feiertag für alle ist, ein Tag, an dem man nicht in die Schule gehen muss. Ich erinnere mich heute an all das, weil der Herr sich mit dem Sohn ins Musikzimmer gesetzt hat, um dem Fräulein zuzuhören. Das Fräulein spielte Klavier. Sie ist sechzehn Jahre alt, die Tochter des Herrn. Es war kein Gast da und sie spielte zum Vergnügen. Das brachte meine Gedanken auf unseren Juden. Er war der Sohn des Kaufmanns im Ort. Wir sassen in einer Klasse, trotzdem er jünger war als ich, denn die Schule hatte nur zwei Klassen und man sass in jeder mehrere Jahre, Mädchen und Burschen zusammen. Dass der Jude immer gut gekleidet war, wäre es nicht gewesen. Auch der Sohn des Postmeisters trug Schuhe an den Füssen, selbst im Sommer. Aber der Sohn des Juden ging nachmittags mit einem Heft unter dem Arm zum Lehrer und nahm Klavierstunden. Niemand von uns nahm sonst Klavierstunden. Es waren reiche Bauernsöhne' unter uns und Söhne von Beamten. Aber niemand lernte beim Lehrer Kla-

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