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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 233

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 233 (sequence 235)
Language
German
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233 Tierspielen. Ich hasste den Juden sehr. Mir ist, als habe ich ihn gerade darum so gehasst, weil er als einziger nachmittags, mit dem Heft unter dem Arm zum Lehrer ging, um bei ihm bloss zu seinem Vergnügen und aus keinem anderen Grund Klavier zu spielen. Ich weiss, dass das keine einleuchtende Erklärung ist. Aber ich weiss keine bessere. Wenn ich an unseren Juden denke, sehe ich ihn noch heute nicht anders als in schwarzen Stiefelchen und blauem Anzug mit dem Heft unter dem Arm zum Lehrer in die Schule eilen, trotzdem ich ihn täglich in vielen anderen Situationen gesehen habe. Ich sage mir, wie lächerlich es ist, einen Menschen aus solch einfältigem Grund zu hassen. Aber mein Blut steigt mir trotzdem noch heute zu Kopf und ich balle bei dieser Erinnerung meine Fäuste in den Taschen. Mein Vater lud beim Vater des Juden Gewürzsäcke und Kisten mit Zucker von den Wagen und schleppte sie ins Magazin, einen grossen dunklen steingepflasterten Raum, in den das Licht durch drei schmale Luken unter dem Dach fiel. Ich half dem Vater oft, denn ich war von starken Körperkräften, trotzdem ich noch ein Knabe war. Mein Vater war ein grosser jähzorniger Mann und er fluchte, wenn er mich sah. Oft warf er einen schweren Stein nach mir oder irgendein Stück Eisen, das ihm gerade in die Hände geriet. Wenn er zornig wurde, schwollen die Adern auf seiner Stirn und die Äderchen, die das Weisse seines Auges durchzogen, wurden blutig rot. Ich musste mich vorsehen, wenn ich mit ihm zusammen arbeitete. Wenn der Herr, der Vater unseres Juden, eintrat und meinen Vater fluchen hörte, sagte er: „Lass ihn doch, Anton! Was willst Du das Kind es büssen lassen?" Dann rief er mich wohl in seinen Verschlag hinter dem Laden, in dem er zu sitzen pflegte, und beschenkte mich mit einem Geldstück, oder er Hess mir etwas zu essen geben. Ich nahm die Münze und ass, was man mir brachte, aber ich sagte kein Wort des Dankes. Ich grollte ihm wegen meines Vaters, trotzdem er meinem Vater nichts getan hatte. Aber mir war, als tue er mir Gutes, um mich über

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