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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 228

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 228 (sequence 230)
Language
German
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228 von ihm das Doppelte des gewöhnlichen Preises verlangte. Dann schwieg er wieder eine Weile und setzte fort: — Edna, die Eifersucht hatte es mir angetan. Mein Herz war voll von Erbitterung darüber, dass er mir die letzte Möglichkeit geraubt hatte, dir nahe zu sein. Jetzt aber, nach unserem gemeinsamen Bad im Meer, bin ich wieder beruhigt. Das Bad hat uns beide einander nahe gebracht mit dem Körper und mit der Seele, und nie werde ich diesen Tag vergessen. War es doch das erstemal, dass du dich mir offenbartest mit der ganzen Reinheit deines jungen Körpers, dass ich sehen konnte, dass er wahrlich übereinstimmt mit deinem edlen Antlitz und deiner reinen Seele. Ich sah deine feinen Schultern, deine lieblichen Arme, deine weissen, zarten Schenkel. Deine Brüste, Edna, haben meine Augen geblendet, dass ich auf sie nicht schauen konnte, wie in die Sonne. Edna, Gott hat dich als den Inbegriff der Schönheit geschaffen, und wenn ich daran denke, dass du nun zurückfährst nach dem altehrwürdigen Prag, der Stadt des berühmten Golem, um dort heimgeführt zu werden von einem unberühmten Golem, der dich besitzen wird, dann weint mein Herz im stillen. Wer wird dein Ehegatte sein, Edna? Ein Bankier? ein Arzt? ein Rechtsanwalt? Ob so oder so — wirst du in deiner Brautnacht, in der Stunde deines Glückes, dich des verrückten Chauffeurs von Jerusalem erinnern, dessen Herz dir hörig ward vom ersten Augenblicke an? . .. 0 Edna, Edna! In meinem Bemühen, eine Lösung für das mich plagende Rätsel zu finden, zündete ich mir eine Zigarette an und betrachtete beim Schein des brennenden Zündholzes meine junge Nachbarin. Sie sass in der Ecke des Wagens mit geschlossenen Augen und mir schien, dass um ihren Mund ein heimliches Lächeln spielte. Wegen des Lichtes öffnete sie ihre Augen, lächelte mir zu und sprach zu mir leise, auf englisch: — Er schläfert mich ein mit seiner Rede, mit seiner angenehmen Stimme. Der Chauffeur wandte seinen Kopf zu uns um und rief tadelnd:

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