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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 227

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 227 (sequence 229)
Language
German
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227 schönen Gestalt und ihrem schlanken, kräftigen Körperbau, als wären sie Kinder einer Familie. Edna lächelte über ihr ganzes feuchtes und frisches Gesicht und lief in das Hotel, während ihr der Chauffeur eine Weile mit seinen grauen, lachenden Augen nachblickte. Er warf mir mit dem Haarschopf einen freundschaftlichen Gruss zu, rief „Allright!" und ging auch seinerseits in den Gasthof. Bei Sonnenuntergang sassen wir wieder im Automobil, auf dem Rückweg nach Jerusalem. Bis Jericho war kein Laut zwischen uns vernehmbar. Jeder sass in sich gekauert, den Eindrücken des Tages hingegeben. In Jericho brach plötzlich stockfinstere Nacht über uns herein. Ein Sturmwind bliess und die Wüste verwandelte sich in eine einzige dunkle, glühende Masse. Der Chauffeur schaltete die Scheinwerfer ein und in das Meer der Finsternis brach sich eine Sturzflut von Licht, dahinfliessend und sich einen Weg ertastend zum fernen Hafen. Die beleuchtete Fläche vor uns blickte weiss wie Schnee. Manchmal, wenn das Rattern des Wagens für einen Augenblick verstummte, hörte man das ferne Heulen eines Schakals. — Mister, unterbrach der Chauffeur die Stille und fragte mich weich, haben Sie Angst? Warum denn, sagte ich, haben Sie vielleicht ein Mittel gegen die Furcht? — Sie brauchen keine Angst zu haben, Mister : ich fahre hier oft in der Nacht, fast jede Woche. Sowohl die hungrigen Schakale, als auch die armen Beduinen, die hier in der Steppe ihre Schafe weiden, sie alle sind meine guten Freunde. Dann schwieg er einige Sekunden und sprach hebräisch : — Hörst du, Edna, ich bereue, dass ich den ganzen Tag über unseren armen Amerikaner gelästert habe. Ich sah ihn gegen Abend entlang der Küste gehen, mit einem traurigen Ausdruck im Gesicht. Und da sagte ich mir, es ist unmöglich, dass dieses traurige Gesicht einem reichen Schneidermeister gehörte. Ein Schneidermeister ist er vielleicht, aber reich ist er gäwiss nicht. Ich habe nicht gut gehandelt, indem ich

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