Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 228)
- Language
- German
- Belongs to
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226 nig eingeschmiert und sie auf dem Dach ausgesetzt haben, den Bienen zum Frass? ... Edna, diese Untat geschah hier am hellichten Tage, vor Tausenden und Abertausenden von Jahren. Und noch jetzt überläuft es mich kalt, wenn ich daran denke... Und siehe, ich könnte dir eine noch viel traurigere Geschichte erzählen, die in unseren Tagen in einem fernen Lande sich ereignete, aber genug für diesmal. Ich will deiner Seele nicht wehtun. Jetzt kommen wir zu einer Stelle, wo die Schönheit unseres kleinen Landes ihren Höhepunkt erreicht: Schönheit des Todes und Wehen der Ewigkeit. Du hattest dich doch danach in Afuleh so gesehnt, als wir auf der Terasse des Hotels bei einem Glas Limonade sassen. An der Küste des Toten Meeres blieben wir bis zum Abend. Der rührige Chauffeur machte sich an seinem Wagen zu schaffen, untersuchte sein Inneres und reinigte ihn vom Strassenstaub, bis er wieder seinen gewohnten Glanz bekam. Edna trat in das einsame Hotel, das öde und gelangweilt an der Küste der schlummernden See stand. Ich setzte mich in den Schatten einer verfallenen Hütte aus Palmenzweigen, zermürbt von der grossen Hitze, die sich beinahe greifbar an das Gesicht anschmiegte und die Sinne betäubte, überwältigt von der Schönheit, der ungeheuren Stille, die da herrschte am Rande alles Seins. Das Gebirge Abarim, gehüllt in hellen Nebel, blickte zu mir in seiner verhaltenen, stillen Schönheit, wie von jenseits alles Lebens her. Ich erhob mich und ging langsam entlang der Küste, wie ein Spaziergänger im Reiche der Phantasie. Als ich zurückkehrte, fand ich Edna und den Chauffeur im Meere baden, bis zu den Schultern im dickflüssigen, salzigen Wasser tauchend und miteinander um die Wette schwimmend. Die untergehende Sonne vergoldete die schönen Arme Ednas und die blaue Gummihaube auf ihrem Kopfe, welche ihrem gebräunten Gesicht die eigene Anmut gebändigten Ubermuts verlieh, und das nasse Feuermal auf der Wange des Chauffeurs strahlte ihr entgegen mit seiner ganzen roten Glut. Als die beiden in ihren nassen, enganliegenden Badeanzügen aus dem Wasser kamen, bezauberten sie das Auge mit ihrer \