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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 223

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 223 (sequence 225)
Language
German
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223 Edna, du Atem meines Lebens! . .. 0 Edna, Edna! Ich kenne alle diese Schlupfwinkel hier, wie ich die Umgebung meiner Vaterstadt kannte, drüben in der gesegneten und verfluchten Ukraine! Ich habe dieses kleine, verwüstete Land wohl an die hundert Mal der Länge und Breite nach befahren, von Dan bis Beerscheba, aüf den Flügeln dieses meines blauen Adlers .... Edna! Ich liebe mit der ganzen Glut meines einsamen Herzens meine leichtbeschwingte Maschine, in die ich den letzten Rest aus dem Erbe meines in Gott ruhenden Vaters hineingesteckt habe, der drüben den Märtyrertod gestorben ist. Sie ist mein Trost und meine Wonne, die einzige Seele, die mich versteht... Edna, ach Edna! Meine Genossen im Emek höhnen mich, nennen mich einen Abenteurer.... Sechs Monate lang arbeitete ich in Gemeinschaft mit ihnen, mit Pflug und Spaten, dann stand ich auf und entfloh in alle Windrichtungen. Ich konnte nicht die grosse Stille ertragen, die Ruhe der Berge ringsum. Ich konnte nicht die finsteren Gesichter meiner Genossen ertragen, die es sich geschworen hatten, nimmer zu lächeln wie Menschen lächeln, solange die Erde nicht erlöst ist von ihrer Brache und Verwahrlosung. Nicht einmal der stürmische Horratanz konnte den Sturm meines Herzens beruhigen. Was gilt mir der Tanz der Beine an einem Punkte, wenn meine Seele sich in die Weite ergiessen will, getragen sein will von einem Rand des Landes zum andern, hin- und hergezerrt zwischen der grossen Sehnsucht nach den Gefilden der Ukraine, ihr Andenken sei verflucht, und der brennenden Liebe zu den Einöden des wundervollen Landes meiner Väter!____Edna, Edna! Lass mich dir ein Geheimnis enthüllen: ich liebe das erhabena Wort, das breite Aufjauchzen der Seele, das Lachen, das über die Einöde dahinrollt und ein Widerhall antwortet ihm von allen Enden: ha-ha-ha!... Aber auch das Weinen ist mir bekannt, Edna. Nicht das leise, in das Kissen vergrabene Vor-sich-Hinweinen, zwischen den engen und beengenden Wänden des Zimmers, sondern das laute, stürmische Aufheulen, das die Seele bis zum Grund aufwühlt und das Herz erschüttert ... Es gibt manche Mondnacht in Jerusa-

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