Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 224)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Der amerikanische Kerl da hat keine blasse Ahnung. Er versteht kein Wort von der Sprache Jesaias und Bialiks. Wir können ungestört weitersprechen. Dann setzte er fort: — Wundere dich nicht, Edna, dass ich den Amerikaner dort an deiner Seite so beschimpfe. Fürs erste liebe ich nicht gar sehr unsere lieben Brüder von Amerika, die nach Erez Israel reisen, anstatt hierher zu kommen. Und dann weisst du doch, was im Hohen Lied geschrieben steht: „Stärker als der Tod ist Liebe, und unerträglicher denn die Hölle Eifersucht ..." Ich hatte es mir so schön vorgestellt: da wirst du stundenlang neben mir sitzen, bevor du in deine Heimat zurückkehrst, und Trost träufeln auf mein einsames Herz. Ich werde dein liebliches Antlitz schauen, deine süsse Nähe, die Berührung deiner zarten Arme fühlen... Da kam der Satan in Gestalt eines amerikanischen Popanz und raubte das Schäflein des Armen... Fluch über das Land Dollarien, verdammt das goldene Kalb! Plötzlich wandte er sich mir zu und fragte jiddisch: — Mister, wollen Sie vielleicht die Salzstatue der M i s s i s Lot sehen? Wer ist Missis Lot? fragte ich. — Das war eine amerikanische Touristin, eine dicke Frau, die ebenfalls einen Ausflug zum Toten Meer machte. Von der Glut der heissen Sonne schmolz sie und starb am Wege. Ihr Gatte, Mister Lot der Säufer, liess auf ihrem Grabe ein Standbild errichten aus dem Salz dieser Gegend. Das ist eine nette Sache. Wenn wir daran vorbeikommen, werden Sie es mir zeigen. — Allright! sagte er und fing wieder an, hebräisch zu sprechen: Hörtest du wohl, Edna? Weisst du nun, zu welcher Gattung der Kerl gehört, an dessen Seite du die letzten Stunden verbringst, bevor du dich für immer von mir trennst? Nicht einmal den Pentateuch hat er gelesen! Ich bin überzeugt, dass er nicht einmal den gepriesenen Namen Kedarlaomers kennt, des Königs von Elam, der hier in dieser Kalkebene in eine tiefe Grube fiel... Wir werden ja bald dort sein,