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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 221 (sequence 223)
Language
German
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221 Das Mädchen errötete leicht und gab keine Antwort. Der Chauffeur hantierte wieder am Steuer und sprach weiter, zu dem Weg vor sich hin gewendet, mit seiner tiefen Baritonstimme: — O Edna, wie undankbar bist du doch! Siehe, ich gedachte deiner einstigen Gunst, da du mir aus dem Emek folgtest, und kam zu deiner Tante, um dich zum Toten Meer zu holen, zu unserer letzten Abschiedsfahrt. Du aber schlugst mich aus und zogst es vor, neben dem amerikanischen Kapital zu sitzen, neben einem vollen Dollarsack.... Wie staune ich über dich und wie barmt sich deiner mein Herz! Ist das noch Edna? Das die Frucht deines zweiwöchigen Aufenthaltes bei den Burschen Galiläas und des Emek? Einige Sekunden schwieg er. Dann setzte er fort in poetisch-blumenreicher Sprache: — Bilde dir nur nicht ein, teure Edna, mir mit dem Vorwand des Strassenstaubes zu entkommen. Nicht Strassenstaub, sondern Goldstaub, das Gold Amerikas, hat dich mir abtrünnig gemacht. Das ganze stolze Europa fällt jetzt in die Knie vor dem schmutzigen Amerika. Ich lauschte mit wachsender Neugier auf die sonderbaren Worte des Burschen, auf seine erhabene und zugleich spöttische Sprache, die mit rednerischer Gewandtheit und tiefem Pathos aus seinem Munde floss. Seine Beziehung zu mir als dem Repräsentanten des „schmutzigen Amerika" belustigte mich. Ich streifte mit einem Seitenblick das junge Mädchen, um den Eindruck zu sehen, den seine Worte auf sie gemacht hatten. Auch sie sah mich, gleichsam in derselben Absicht, an, lächelte und sagte auf englisch: Das ist so seine Art — er spricht etwas zu viel. Das Ganze nahm immer mehr mein Interesse gefangen. Ich wollte gern wissen, ob auch das Mädchen mich für einen vollkommenen Ignoranten des Hebräischen hielt. Als hätte der Chauffeur diese meine Gedanken erraten, setzte er fort: — Ich hörte, Edna, was du deinem Begleiter über mich sagtest. Du sagtest, ich sei ein Schwätzer. Du fürchtest wohl, er könnte sich durch meine Worte beleidigt fühlen? Da ist deine Angst ganz ohne Grund!

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