Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 221)
- Language
- German
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219 Edna? fragte ich. Ist das ein tschechoslovakischer Name? — Ein schöner Name, nicht wahr? Schon unsere alte Stammutter Sarah hat sich damit vor ihren Nachbarinnen gebrüstet. E-d-n-a ... Ich bin in diesen Namen verliebt. Und in das Mädchen selbst? — Davon wollen wir jetzt nicht reden! schnitt er, beinahe schreiend, meine Worte ab und sein Gesicht wurde finster. Doch konnte man nicht unterscheiden, ob im Ernst oder nur zum Scherz. Sie fährt in den nächsten Tagen zurück nach Prag, ihrer Heimatstadt — glückliche Reise! Gut, sagte ich, wir wollen uns diese Tschechoslovakin anschauen. Der Chauffeur setzte sich auf seinen Sitz, strich den Haarschopf seines unbedeckten Hauptes mit forscher Bewegung zurück und setzte das Automobil mit geschickter Hand in Gang. Die Art, wie er beim Steuer sass und es handhabte, war interessant: er sass leichthin, schwebend, wie ein Klaviervirtuose, der seine Hand über die Tasten spielen lässt. Das Auto gehorchte allen seinen Bewegungen und fuhr leicht und glatt über die hügeligen Strassen von Jerusalem. Als wir in eine schmale Gasse einbogen, verschloss uns eine Karawane von Beduinen, die gemächlich auf ihren vollbepackten Saumtieren daherritten, den Weg. Der Chauffeur fuhr sie grob an und Hess sich, in klassischem Hebräisch, also vernehmen: — 0 ihr eselgleiches Volk, Platz da! Seht ihr nicht, wer da fährt? Ein amerikanischer Kapitalist, der Kompagnon von Morgan — der Teufel hole die breiten Hosen eures Ahnherrn Ismael! Wir kamen in eine neue Gartenvorstadt Jerusalems und das Auto hielt vor einem kleinen steinernen Haus, das von jungen, schlanken Pinien umstanden war. Der Chauffeur sprang von seinem Sitz und murmelte hebräisch, gleichsam zu sich selber sprechend: — Hier wohnt sie. Ich will sehen, ob sie mir nicht untreu geworden ist und ihre Liebe einem anderen Chauffeur zugewendet hat.