Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 220)
- Language
- German
- Belongs to
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218 ren will? sprach er mich in gebrochenem Englisch an, jede Silbe betonend. Ja, ich bin der Mister, sagte ich. — Ich bin der Chauffeur, stellte er sich vor, sich umständlich verneigend, wie ein Schauspieler. Dann fuhr er jiddisch fort: Sie müssen aber von vornherein wissen, Mister, dass ich kein grosser Meister des Englischen bin. Wenn Sie sich mit mir auf der Fahrt unterhalten wollen, werden Sie es auf gut jiddisch tun müssen. Gut, sagte ich, im Notfalle werden wir jiddisch sprechen. — Denn vor Hebräisch hat Sie doch Gott dort in Amerika natürlich bewahrt! Die Art, wie er sprach, und seine theatralische Pose amüsierten mich und ich beschloss, auf seinen Ton einzugehen. Woher sollte ich die heilige Sprache kennen? sprach ich; hat sie etwa der Schlossherr verloren und ich sie gefunden? — Das hatte ich mir gleich gedacht. Ich habe es von Ihrem Gesicht abgelesen, dass Sie ein grosser Schriftgelehrter vor dem Herrn sind! Es heisst wörtlich im Talmud .... Was ist übrigens Ihr Geschäft dort in Amerika? Wahrscheinlich ein reicher Schneidermeister? Besitzer eines grossen „Shop" mit Hunderten von Knopf annähern? Hören Sie, Freund, sagte ich ihm; wollen Sie denn alles stehenden Fusses erfahren? Wir werden schon noch dazukommen, einander kennen zu lernen. Wir haben einen langen Weg vor uns. — Mit einem Wort, allright! antwortete er auf amerikanisch. Wo ist Ihr Koffer? Als wir zum Auto hinaustraten, das frisch lackiert und blank geputzt dastand, sagte er mir: — Wollen Sie vielleicht billig reisen? Dann können wir noch eine Touristin mitnehmen. Eine Touristin? — Ein sehr nettes Fräulein. Ich habe sie vom Emek hergebracht. Ein jüdisches Mädchen aus der Tschechoslowakei, Edna mit Namen.