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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 214 (sequence 216)
Language
German
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IRI
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214 Tow! Zur glücklichen Stunde! Der Bräutigam zerschlug einen Glasbecher zur Erinnerung an die Zerstörung des Tempels. Dann wurde der Ehevertrag verlesen. Die Frauen gingen im Tanzschritt hinaus, sie nahmen zwei geflochtene Brotlaibe und schlugen auf sie. Eine sprach: Der Bräutigam gleicht dem König! Eine andere sprach: Die Braut ist lieblich und fromm! Und alle Umstehenden antworteten: Masel Tow! Masel Tow! Die Braut senkte ihre reinen Augen zu Boden. Wer ist jener Reiter auf dem Ross? Wie der Schatten eines gewaltigen Felsens tritt sein Schatten zwischen sie und den Bräutigam. Der Reiter kam bis zu dem Platz des Trauhimmels und da sah man, dass es der Fürst war. Zitternd gingen die Ältesten der Stadt ihm entgegen und sprachen: Friede sei Dein Kommen! Denn zu einem Festtag bist Du erschienen! Und sie verbeugten sich vor ihm und brachten Honigkuchen und Wein. Dann sagten sie zu ihm: Wende Dich freundlich zu uns, o Herr, und nimm unseren Willkommgruss entgegen. Fisch und Fleisch sind vorbereitet, ein reiches Mahl, denn wir feiern heute Hochzeit. Dein Diener verheiratet seine einzige Tochter mit dem trefflichen Jüngling, der hier im hellen Lichte Deines Antlitzes steht, o Herr. Aber der Fürst achtete nicht Gottes und nicht ihrer Worte. Er sah die Braut neben der furchtsamen Menge und er wäre fast von seinem Rosse herabgesunken, so sehr ergriff ihre Schönheit sein Herz und geriet sein Blut in Verwirrung. Wie trunken schwankte sein Schwert, schlug an seine Lenden und auf die Eisensporen seiner Schuhe. Da fuhr der Fürst auf wie einer, den der Wein überkommt. Er schwang sein Schwert, schlug den Bräutigam zu Tode nieder, raubte die Braut und entführte sie in sein Schloss. Der Bräutigam war zu Boden gesunken, aber ein heiteres Lächeln schwebte auf seinen Lippen. Schweigend hatte er seine Arme ausgebreitet, um mit seiner Braut zum Tanz zu gehen. Noch war etwas von dem vollen und süssen Trunk in seiner Kehle, aber die Haut seines Nackens zog sich zusammen und aus sei-

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