Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 214)
- Language
- German
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212 bereitete er ein grosses Mal und berief viele Spielleute her, um Bräutigam und Braut zu erfreuen. Angesehene Männer und Hochzeitsgäste von beiden Seiten kamen aus vielen Städten und Orten, viele Meilen aus der Umgebung weit zur Vermählung seiner lieblichen Tochter. Um ganz besonders zu zeigen, wie lieb er seine einzige Tochter hatte, bemühte er sich, beim Oberhaupt des Bezirkes durchzusetzen, dass er ihr erlaube, am Hochzeitstag seidene Kleider zu tragen. In jener Zeit war es nämlich verboten, in solchen Kleidern in der Gemeinde, in der heiligen Gemeinde Israels, zu erscheinen. Denn sie seien schuld an Vernichtung und Untergang und richteten den jüdischen Besitz zugrunde. Als nun jener Mann zum Oberhaupt des Bezirkes die Steuer für den König und das „Nadelgeld" für die Königin schickte, gab er den Boten seine Bittschrift mit und sie warteten auf die Bewilligung. Das Oberhaupt des Bezirkes entbot ihnen seinen Glückwunsch, aber die Seidenkleider bewilligte er nicht „damit der Zaun nicht durchbrochen werde". Die Freunde des Mannes senkten das Haupt und alle Frauen des Verwandten- und Freundeskreises der Braut sagten, man solle sich über das Unrecht bei den Fürsten und Grossen des Landes beschweren, weil das Oberhaupt des Bezirkes ihr die Seiden- und Prachtgewänder für den Hochzeitstag verboten habe. Der edle reiche Mann schwieg dazu, nur an seiner Handbewegung war zu merken, dass er im Innersten mit der Entscheidung des Oberhauptes nicht einverstanden war. Er sah seine liebliche Tochter in ihrer keuschen Schönheit und er sprach: Meine Tochter Braut ist lieblich und fromm auch in einfachen Kleidern. Wenn es nur wegen der Kleider ist, soll die Hochzeit nicht verschoben werden und wenn es nur wegen eines Triumphes ist — Triumphe stehen bei Gott! Und als es Vollmond war, Hess er den Trauhimmel herrichten, in Freude und unter Liedern, mit Pauken und Geigen. Die teuren Seidengewänder aber machte er zu Geld und bestimmte dieses für die Ausstattung armer Bräute. So wurde die Hochzeit gefeiert in Glanz und Prunk, in Freude und mit Liedern, mit Pauken und Geigen, wie Gottes gütige Hand es ihm zugeteilt hatte.