Jüdischer Almanach
- Journal
- Jüdischer Almanach
- Volume
- 5691 (1930-1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
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182 muss untrennbar in einer Einheit verbunden sein. Diese Einheit wird nur im engen Zusammenhange mit seinem Volke und dessen urlebendigem Instinkt erreicht. Der schöpferische Musiker ist es, der in sich die Elemente und Kräfte seiner Zeit, des Volkstums und des Talents zu verbinden und im vollendeten Werk zu einem harmonischen Ganzen zu verschmelzen vermag. Aus dem Drängen des Heute entsteht die Kunst des Morgen! Man hat wiederholt versucht das Judentum ausschliesslich unter der Perspektive der Vergangenheit und nicht auch der Gegenwart zu sehen. Typische Auswirkung assimilierter Denkungsart. Gerade die letzten fünfzig Jahre Geschichte dokumentieren mit eindringlicher Unzweideutigkeit die Fähigkeit des Juden zu einer aktiven Äusserung auf allen Gebieten. Auch in der Musik. Allen Zweiflern gegenüber können wir darauf hinweisen, dass die „Neue jüdische Musik" alle Bezirke musikalischer Formen gestaltend, sich unaufhaltsam entwickelt, aus dem Stadium des Suchens und Experimentierens immer mehr und mehr heraustritt. Man erkennt bereits bei den verschiedenen Komponisten das Vorhandensein einer geistigen Gemeinschaft, eine Wesensverwandtschaft, das Bewusstwerden des Unbewussten. Die Diskrepanz zwischen Stoff und Form ist nicht mehr so fühlbar, es ist kein Nebeneinander, sondern ein Ineinander. Über die Frage des „spezifisch Jüdischen" in der Musik wird in Zeitungen und Büchern eifrig debattiert. Die aufschlussreichste Antwort darauf können doch nur die schaffenden Künstler selbst und ihre Werke geben. Und diese Werke werden uns schon beim ersten Hören vom Vorhandensein eines jüdischen Elementes, eines jüdischen Charakters in der Musik überzeugen, zugleich den Beweis erbringend, dass die Schöpferkraft der jungen jüdischen Komponistenschule in ihrem natürlichen Wachstum nicht mehr aufgehalten werden kann. Erst die späteren Generationen werden die Bindungen und Kurven zwische den verschiedenen Strömungen innerhalb der eigenen Stilkreise herzustellen vermögen, die Ver-