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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 180 (sequence 182)
Language
German
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180 abendländischer Musik und Kunstauffassung sie immer mehr von ihrer jüdischen Eigenart entfernte und schliesslich zur gänzlichen Verleugnung ihres eigenen Wesens führte, die junge Musikergeneration den Weg zu ihrem Volke wieder gefunden hat. Die Seele suchte zu ihrem Ursprünge zurückzukehren. Man begann mit der Wiedererweckung der Volksmusik. Das Elementare in Verbindung mit der neuen Erkenntnis bahnte bald den Weg zur Musik. Will man heute über das Jüdische in der Musik zu einem Urteil, zu einer Erkenntnis gelangen, so muss man die Werke der b e w u s s t schaffenden jüdischen Komponisten hören und studieren. Zwei Schwierigkeiten beeinflussen und behindern das Schaffen des jüdischen Komponisten: der Stoff und die Form, Inhalt und Technik. Er hat in Europa studiert, bestimmte Harmonie und Satzregeln sich angeeignet, musste jedoch sehr bald entdecken, dass sein eigenes Fühlen, seine eigene Melodie mit dem Erworbenen nicht im Einklang steht und dass er mit dem Erlernten seinen ureigenen Stoff nicht formen, nicht gestalten kann. WoaberzwischenForm undlnhalt, zwischenErlebnisundKönnen keine Einheit existiert, kann kein Kunstwerk entstehen. Gerade in der Musik, die unser Wesen am tiefsten offenbart, wird die Kluft, die durch das sklavische Aufgehen in einer andersgearteten Gefühlswelt entsteht, am schärfsten empfunden. Die tiefsten Wurzeln der Musik liegen meistens im eigenen Volkstum. So galt es zunächst vieles zu überwinden, in die Ursprünglichkeit seines Wesens einzudringen und von dort aus, aus dem inneren Hören und Fühlen heraus neu aufzubauen, neues Baumaterial zu suchen und zu finden. Wir waren zu entartet, zu sehr gewöhnt, alles aus zweiter Hand zu empfangen, so dass jeder von uns eine vollständige Häutung, eine Wiedergeburt durchmachen musste, bevor er sich der neu an ihn herantretenden Aufgabe ganz widmen und aus der Einheit mit sich selbst zum Kunstwerk emporsteigen konnte.

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