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Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 179 (sequence 181)
Language
German
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179 dern — Musikinstrumente geprägt sind. Und die N e g i n o t h, mit denen noch bis auf den heutigen Tag die Torah vorgetragen wird?! Diese Neginoth sind ein scharfsinniger Versuch, die Gesangslinie (Hebung und Senkung), die Betonung und die rhytmische Gliederung beim Lesen der heiligen Schrift durch bestimmte Zeichen festzuhalten und für alle Generationen zu bewahren. Leider besass man damals keine Notenschrift. Dadurch sind uns grosse Musikschätze verloren gegangen und es bleibt einer ernsten Forschung vorbehalten, die überall zerstreuten Reste aufzusuchen und zu entziffern. (Sichere Spuren der alten Tempelmusik findet man nach neuerer Forschung im gregorianischen Choral). Den Tiefen urjüdischer Empfindungen entsprungen, wirkt dieses musikalische Erbe in uns als heilige Überlieferung mit unverminderter Kraft weiter. Während der ganzen Epoche der Zerstreuung, überall wo Juden wohnen, klingen alte Gesänge, Lieder und Tänze, stets wiederkehrend, ewig lebendig, ohne an Beseelung und Inbrunst ein Atom eingebüsst zu haben. Diese Weisen sind in ihrer Einfachheit so tief gefühlt, dass auch Nicht-Juden sich ihrer Wirkung nicht entziehen können. Und dennoch keine jüdische Musik? Mit dem Verlust der staatlichen Selbständigkeit und Beginn der Wanderung in der Zerstreuung hörte zwar die Achtung und die Liebe zur Musik nicht auf, aber die eigene Kunstübung musste infolge der eigenartigen Verhältnisse und Schicksale mit der Zeit einschlummern. Eingeengt durch starre Dogmen der Uberlieferung, in einer alltäglichen Wirklichkeit voller Sorgen und Ängste lebend, ohne Licht und Raum, verlor der Jude allmählich den Blick für das Geschehen in der Natur, hatte für die inneren Empfindungen kein Ohr mehr. Die Voraussetzungen für ein freies Schaffen fehlten hier völlig. Erst die Renaissance- Bewegung des jüdischen Volkes erweckte auch den jüdischen Musiker zum eigenen Schaffen. Das erfreuliche Zeichen für den inneren Wandel im Judentum der letzten Jahrhunderte ist, dass, während bei den alten Komponisten die Anpassung an die Regeln

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