Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Almanach · 1931-01-01 · 5691 (1930-1931) · p. Seite 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Almanach
Volume
5691 (1930-1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 178 (sequence 180)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4919024-4919342--0498-4919522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 tion. Jede Festlichkeit, jedes frohe oder traurige Ereignis, ward von Musik begleitet. Dass die Weisen aber tatsächlich hohen Alters und Volksgesang sind, geht aus dem Umstände hervor, dass sämtliche alten jüdischen Zentren dieselben haben, trotz jahrtausendelanger Abgeschiedenheit von einander, demnach müssten sie bereits vor der Zerstörung des zweiten Tempels Volksgesang gewesen sein." (A. Z. Idelsohn.) Das jüdische Volk war im Altertum reich an musikalischen Erfahrungen und Leistungen. Beim Studium der alten jüdischen Kultur des biblischen Zeitalters begegnen wir oft Äusserungen über Musik. Ich bringe hier ein paar Belege. „J u w a 1" wird als der Vater aller Harfen- und Flötenspieler bezeichnet. — Als die Brüder Josefs ihrem Vater die Kunde überbringen sollten, dass sein totgeglaubter Sohn in Ägypten noch am Leben sei, baten sie Sarah, die Tochter des Ascher, den Grossvater Jakob durch ein Lied zur Begleitung der Laute auf die freudige Nachricht vorzubereiten. (Im Volke lebt die Sage, dass aus Dankbarkeit der Erzvater Sarah die Unsterblichkeit verlieh). — Nach dem Auszug aus Ägypten wird von Moses selbst ein grosses Lied angestimmt, das von Mirjam auf der Harfe begleitet wird. König David sucht den bösen Geist Sauls durch Musik zu verscheuchen. Als der Prophet Elischa dem König Jossaphat prophezeien soll, lässt er zunächst einen Harfenspieler holen; die Bibel erwähnt dazu: „Während der Harfenspieler auf seinem Instrumente spielte, war Gottes Hand auf dem Haupte Elischas, und er begann zu prophezeien." Zur Zeit Samuels wurde der Unterricht in der Musik eifrig gepflegt. Josephus Flavius berichtet über den Gottesdienst im Tempel zu Jerusalem: Tausende von Sängern (die Gruppierung dürfte einem heutigen gemischten Chor entsprechen), Hunderte von Harfenspielern und Posaunenbläsern wirkten mit. Eine Massenwirkung wie man sich sie heute kaum vorstellen kann. Wie sehr die Musik ein Mittelpunkt im jüdischen Volke war, dokumentiert noch die Tatsache, dass auf Münzen aus der damaligen Zeit nicht irgendein Symbol der Herrschaft oder der Macht wie Krone, Adler, Schwert, son-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.